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Bereit für die neue Freizeitgesellschaft?

Den Höhepunkt der Tagung stellte das Impulsreferat von dem Berliner Politikwissenschafter Prof. Dr. Bernd Guggenberger dar, in dem er sich mit unserer Einstellung zu Arbeit, Arbeitslosigkeit und Freizeit auseinandersetzte. Arbeitslosigkeit und Verkürzung der Arbeitszeiten sollten nicht nur als persönliche und gesellschaftliche Belastungen, sondern auch als Chance zur kulturellen, sozialen und ästhetischen Selbstverwirklichung g esehen werden. Guggenberger kritisiert die Fokussierung und Ausrichtung des Lebens auf Erwerbstätigkeit, obwohl jeder Mensch damit nur rund 10% seiner Lebenszeit verbringt.

Die von allen Seiten geforderte Vollbeschäftigung ist aufgrund der immer weiter voranschreitenden Technologisierung und Rationalisierung nicht mehr möglich. Unserer Arbeitsgesellschaft geht sprichwörtlich die Arbeit aus. In Wahrheit ist die „Klagemauer Arbeitslosigkeit“, an der sich heute alle versammeln, doch ein uralter Menschheitstraum. Wir haben es nur verlernt, uns Beschäftigungen zu suchen, in die wir unser Herzblut und unsere Leidenschaft stecken können, in denen wir unsere persönliche Erfüllung und Bereicherung finden können.

Eine kreative und ausgleichende Gestaltung der Freizeit stellt für den modernen Menschen jedoch eine große Herausforderung dar und erfordert Mußefähigkeit, Bildungsbereitschaft und den Willen zur Erweiterung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Guggenberger stellte einen interessanten Vergleich zur Antike her, in der die Pflicht zu arbeiten kein erstrebenswerter Zustand war, sondern sich der Muße hinzugeben Priorität hatte. Guggenberger fordert auch in der modernen Gesellschaft als Ergänzung zum Recht auf Arbeit die Pflicht zur Muße! Bei anhaltend hoher Güterversorgung und Gewährleistung eines Mindestwohlstands für den einzelnen Menschen kann also Arbeitslosigkeit auch eine positive Errungenschaft sein, denn sie kann auch für den Menschen selbst mehr Freiheit für seine Persönlichkeitsentwicklung bedeuten.

Im Rahmen der Bildungstagung stand neben der Bearbeitung der Thematik in Kleingruppen außerdem eine Podiumsdiskussion mit Prof. Guggenberger, Mag.a Renate Böhm (Arbeiterkammer Salzburg), Dr. Christopher Kartnig (Psychotherapeut) und Dr. Renatus Capek (Atomic Austria) auf dem Programm. Im Rahmen dieser Diskussion hatten auch die TeilnehmerInnen der Tagung die Möglichkeit ihre kritischen Fragen an die DiskutantInnen zu richten und so einen inhaltlich wertvollen Beitrag zu der Auseinandersetzung mit dem Thema „Arbeit und Ruhe“ zu leisten.

Christoph Sulzer, Elisabeth Lueginger (KHJ Salzburg)

khjoe Bildungstagung

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