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Archiv für Juni, 2005

Uni für alle, die wollen!

7. Juni 2005

In Bezug auf das heute gefällte Urteil im EuGh fordert die Katholische Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) einen offenen Hochschulzugang und die Bereitstellung nötiger Ressourcen an den Universitäten für all jene, die studieren wollen.

„Die Einführung von Zugangsbeschränkungen an den österreichischen Universitäten ist definitiv die falsche Reaktion auf das Urteil des EuGH. Stattdessen sollte sich das Bildungsministerium Wege überlegen, wie Studienbedingungen geschaffen werden können, die eine Verbesserung für alle Studierenden bedeuten. Wenn in Seminaren kein Platz für alle Interessierten ist, sind nicht die Studierenden zu viel, sondern die Ressourcen zu wenig“, antwortet Ingrid Kreutzer, Vorsitzende der KHJÖ, auf den Ruf nach Zugangsbeschränkungen nach dem EuGH-Urteil.
„Wenn Zugangsbeschränkungen Realität werden, gehen wir einen Schritt zurück in ein System, in dem wenige, die ein großes Wissen haben und sich dadurch in Führungspositionen befinden, über die Köpfe vieler, denen die Chance auf einen höheren Bildungsweg genommen wurde, entscheiden. Und das widerspricht jeglicher Grundlage einer gerechten Gesellschaft, für die gerade wir als ChristInnen eintreten“, stellt die Vorsitzende fest.
„Der Urteilsspruch sollte als Chance genutzt werden, einen freien Hochschulzugang in ganz Europa zu realisieren, sodass jede und jeder, der/die studieren möchte, dies auch tun kann. Ein europaweiter freier Hochschulzugang würde eine Stärkung der EU abseits von Aufrüstung oder Verfassung bringen, Grenzen würden fallen und die EU könnte Vorbild einer gerechten Gesellschaft sein, in der das gleiche Recht auf Bildung für jeden Menschen tatsächlich Realität geworden ist,“ sieht Julia Baumgartner die internationale Dimension in diesem Urteilsspruch. „Österreich könnte als Vorbildland fungieren, indem es den freien Hochschulzugang wieder zu einem solchen macht. Eine aktive Bildungspolitik, die mutig vorausdenkt, vorausplant und gestaltet, eine Bildungspolitik, die agiert und nicht reagiert, würde dieses Urteil nicht als Grund für kurzfristige Maßnahmen auffassen, sondern die Diskussion um den freien Hochschulzugang europaweit anregen“, ergänzt Ingrid Kreutzer.
Nun könne man beginnen, über alternative Uni-Modelle nachzudenken und diese auch umzusetzen. Selbstorganisierte Lehrveranstaltungen und autonome Seminare sowie Fernstudien wären Ansatzpunkte, Alternativen zu den Zugangsbeschränkungen zu realisieren.„Wir sind uns bewusst, dass die Situation an den Universitäten mittlerweile teilweise untragbar geworden ist, die Kommunikationswissenschaft in Salzburg, die Psychologie in Wien, die Medizin in Wien und Graz sind derartig überrannt, dass Alternativen gefunden werden müssen. Zugangsbeschränkungen sind in unseren Augen aber keine Alternative, sondern ein einfacher Ausweg, der erlaubt, kritische und konstruktive StudentInnen von den Universitäten fernzuhalten und Menschen aus bildungsfernen Schichten die Chance auf ein Studium verstärkt zu nehmen. Dies spricht gegen die christliche Vorstellung einer gerechten Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben müssen, diese auch umzusetzen. Wir fordern die Ministerin auf, das Urteil nicht als Vorwand für die Einführung von Zugangshürden zu nutzen, sondern in konstruktiven Gesprächen mit allen Beteiligten Lösungen zu finden, die einer Zweiklassengesellschaft eben keinen Vorschub leisten, sondern diese zu verhindern versuchen“, fordert Ingrid Kreutzer.

Presseaussendung