Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Presseaussendung’

Grundsatzpapier zum Thema Bildung

20. Februar 2006

Die KHJÖ hat in einem Umlaufbeschluss im Jänner 2006 ein Grundsatzpapier zum Thema “Bildung” verabschiedet, in dem das Recht auf Bildung betont und Bildung in drei Dimensionen erläutert wird.

Grundsatzpapier zum Thema „Bildung“ der KHJÖ
Durch Umlaufbeschluss am 9.1. 2006 vom Vorstand beschlossen.

Präambel:
Im Zuge des Schwerpunkts „Bildung“ der Katholischen Aktion Österreich im Jahr 2005 setzte sich auch die Katholische Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) intensiv mit dieser Thematik auseinander. Das folgende Grundsatzpapier ist eine Konsequenz dieser Auseinandersetzung und dient dazu, die Position und Gedanken der KHJÖ darzulegen.
Das Grundsatzpapier entstand in einer Zeit, in der sich im Bereich der Bildungspolitik vieles veränderte. In den Jahren 2003 bis 2005 wurden Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen eingeführt, U niversitäten vermehrt in Abhängigkeit der Wirtschaft gebracht, Elitenbildung verstärkt. Diese Tendenzen reflektiert die KHJÖ kritisch und legt ausgehend von einem Menschenbild, das den Menschen in seiner Ganzheit und Würde als ein von Gott geschaffenes Wesen ernst nimmt, ihren Bildungsbegriff dar.

1. Bildung ist mehr
Bildung ist mehr als Ausbildung, sie betrifft den Menschen in seiner Ganzheit. Die Möglichkeit, die eigenen Werte und die Verwurzelung des eignen Seins in der Welt wahrzunehmen und s o zu einem sinnerfüllten Leben zu gelangen, steht im Vordergrund:

„Bildung, die dem Menschen gerecht wird, wurzelt in einem lebendigen Interesse an der Welt, d as zutiefst aus dem Staunen, der Achtung und der Dankbarkeit kommt. Neugier, Achtsamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Beziehungsfähigkeit und Weltoffenheit sind grundlegende Ziele einer Persönlichkeitsbildung, die von Kindheit an grundgelegt wird und ein Leben lang weiterzuentwickeln ist.“

Bildung bedeutet in diesem Sinne einen dynamischen Prozess, der als lebensbegleitendes und lebenslanges Lernen zu sehen ist. Ziel der Bildung ist es, dass Menschen in Würde und Achtsamkeit ein respektvolles und solidarisches Miteinander leben.

2. Rahmenbedingungen
Die Möglichkeit zur Verwirklichung oben genannter Ziele muss für jeden Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft und welcher religiösen Anschauung, gegeben sein. Um dies realisieren zu können, müssen die Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten zur Entfaltung der Menschen gewährleistet sein. Es liegt in der Verantwortung der Politik, einen freien Zugang zu Bildung zu garantieren, ohne soziale oder finanzielle Restriktionen.
Innerhalb dieser Rahmenbedingungen muss der Mensch auch die Chance haben, konstruktive Alternativen auszuloten. Das heißt, es ist an Veränderungs- und Umkehrmöglichkeiten innerhalb des gewählten Bildungsweges zu denken.
Der Mensch lebt in Verantwortung gegenüber der Schöpfung. Diese zu übernehmen und für ein solidarisches Miteinander einzutreten, ist ein basaler Faktor der Verwirklichung des Auftrags Gottes an die Menschen. Die Aneignung von Bildung liegt daher auch in der Verantwortung und Entscheidung des/der einzelnen. Bildung als lebenslanger Prozess kann nur realisiert werden, wenn der Mensch aktiv daran mitwirkt.

3. Unabhängige Bildung
Bildung, deren Ziel es ist, Menschen in die Lage zu versetzen, als BürgerInnen mündig zu agieren, darf weder von der Wirtschaft, noch von der Politik oder von einer Ideologie abhängig sein, sondern muss frei bestehen können, ohne Einschränkungen in ihren Inhalten und Werten zu erfahren. D ies richtet sich gegen eine Verzweckung und Instrumentalisierung der Bildung im Sinne reiner Verwertbarkeit und wirtschaftlicher Nützlichkeit. Obwohl auch technisches Wissen und berufliche Qualifikationen von großer Bedeutung sind, müssen sie den zugrunde liegenden ethischen Werten wie Toleranz und Solidarität gerecht werden.
Durch die Unabhängigkeit der Bildung wird gewährleistet, dass sie als kritisches Korrektiv dienen kann, das Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und sinnvolle Alternativen aufzeigt.

4. 3 Dimensionen von Bildung
Bildung findet auf unterschiedlichen Ebenen statt, große Bedeutung im Bildungswesen kommt den verschiedenen Institutionen zu, nicht zuletzt den Universitäten. Im Folgenden werden anhand der institutionellen Gegebenheiten drei Dimensionen erläutert, die in ihrer Korrelation Bildung in einem umfassenden Sinn Realität werden lassen.

Erstens gibt sie Orientierung: der Mensch kann durch Bildung Zusammenhänge, Systeme und Strukturen erkennen und sich dadurch in einer komplexen und multikulturellen Gesellschaft zurecht finden.

„Eine moderne, demokratische, komplexe und sich rasch wandelnde Gesellschaft braucht selbstbewusste, kritische und mündige Bürgerinnen und Bürger, die sich auch dort orientieren können, wo die sie umgebende Welt unübersichtlich ist. Sie müssen fähig sein, gesellschaftliche Umbrüche im Blick zu behalten, einen Standpunkt einzunehmen und in Freiheit Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. (..)“

Durch Orientierung im gesellschaftlichen Bereich, durch das Wissen darum, welche Informationen woher kommen, welchen Wahrheitsgehalt, welche Aussagekraft, welche Tragweite und welche Schlussfolgerungsmöglichkeiten sie haben, ist es dem Menschen möglich, sich zu positionieren und aus dieser Position verantwortungsvoll zu agieren.
Im wissenschaftlichen Bereich ist es wichtig, dass gerade an den Universitäten Grundlagenwissenschaft betrieben wird. Sie soll verschiedene Herangehensweisen vermitteln, transparent machen, welche unterschiedlichen Strömungen es gibt und was es bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten. Dies soll nicht nur im eigenen Fach geschehen, sondern dem Menschen soll ein Überblick über den Wissenschaftsbetrieb gegeben werden. Bildung besteht im Wechselspiel zwischen Fachspezifika und Interdisziplinarität. In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Fach innerhalb eines größeren Zusammenhanges werden neue Erkenntnisse gewonnen und konstruktiv umgesetzt.
Orientierung dient in einer komplexen und sich rasch ändernden Gesellschaft auch dazu, kritisches Denken zu fördern und befähigt, mit Wissen umzugehen.

Zweitens dient Bildung der Selbstentwicklung des Menschen. Der Mensch kann seine eigene Persönlichkeit entfalten, seine Werte erkennen, seine individuellen Fähigkeiten, Begabungen und Interessen vertiefen und fördern. Bildung ist also kein Luxus, sondern eine Grundgegebenheit, die der Mensch zu verwirklichen sucht.
Bildung, die dem Aufgeschlossensein des Menschen gegenüber der Welt und sich selbst gerecht wird, trägt dazu bei, das Selbstbewusstsein und den Selbstwert des Menschen zu steigern und ihn zum Subjekt seiner eigenen Lernprozesse zu machen.
Der Mensch muss in seiner Ganzheit wahrgenommen und gefördert werden. Bildung befähigt, zwischen den Generationen, Geschlechtern und Kulturen Brücken zu bauen. Der respektvolle Umgang mit anderen ist unerlässliches Lernziel von Bildung. Daher muss ein besonderes Augenmerk auf die soziale Bildung des Menschen gelegt werden.

Drittens besteht Bildung auch in der praxisorientierten Anwendung, in ihrem Beitrag zur Gesellschaft. In der Anwendung fördert Bildung auch ihre monetäre Verwertbarkeit des Wissens, hier leistet sie ihren praktischen Beitrag für ein gelingendes Zusammenleben und eine gerechte Gesellschaft. In der Anwendung wird durch Bildung auch längerfristiges Denken und Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit erlangt.
Nicht nur an den Universitäten, sondern auch an den Fachhochschulen, die einen wichtigen Stellenwert im Bildungssystem einnehmen, ist es wichtig, dass diese Bereiche korrelieren. Dies ist Chance und Gefahr zugleich, da es zu einem Ungleichgewicht kommt, wenn eine Dimension über- bzw. unterbewertet ist.

Aufgrund dieser Grundsätze liegt es an uns, die bildungspolitische Entwicklung zu beobachten, zu hinterfragen, eine differenzierte Position zu finden und gegen Ungerechtigkeiten aufzutreten.

Presseaussendung

Kein Schönreden der Zustände an den Universitäten und Schulen

22. September 2005

Enttäuschend findet die KHJÖ das Ergebnis der gestrigen Sondersitzung zum Thema „Bildung“ im Nationalrat. „Sinnvolle Alternativen zur derzeitigen Situation in der Bildungslandschaft wurden nicht überlegt, stattdessen wurden die problematischen Zustände an Universitäten und Schulen schön geredet. “Ich erwarte mir, dass sich die Regierung der Realität stellt und handelt. Frau Ministerin Gehrer muss sich die Frage gefallen lassen, warum gerade an den Universitäten u nd Schulen gespart werden soll, die Trägerinnen für eine zukunftsfähige Gesellschaft sind“, so Ingrid Kreutzer, Vorsitzende der KHJÖ.
Mehr Info’s

Studierende betreffen vor allem die neu eingeführten Zugangsbeschränkungen und die desolaten Zustände an den Universitäten. „Für uns stellt sich in der Frage nach den Zugangsbeschränkungen an den Universitäten ganz klar auch der Zusammenhang mit der Wertigkeit der Bildung heraus: Die Zugangsbeschränkungen bieten eine billige Alternative, die es nicht nötig machen, mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Ob das allerdings der richtige Weg in eine zukunftsfähige Gesellschaft ist, ist fraglich. Das Bildungsministerium hätte genug Zeit gehabt, sinnvolle Alternativen abseits von Beschränkungen und Selektion in Bezug auf das EuGH-Urteil zu überlegen und umzusetzen. Nun haben wir Beschränkungen nicht, weil es ein realistischer Sachzwang ist, sondern weil unsere PolitikerInnen das wollen.“, ist sich Julia Baumgartner, stellver tretende Vorsitzende sicher.
„Wir möchten darauf hinweisen, dass es in der Verantwortung des Staates liegt, die Möglichkeiten, sich zu mündigen BürgerInnen zu entfalten, zu schaffen und das Bildung ein Wert ist, den man nicht kaputt sparen darf. Wir wünschen uns eine Bildungspolitik, die nachhaltig agiert und die die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellt. Im Bekenntnis zu einem sozialen Staat ist auch das Bekenntnis zu einem freien Zugang zu Bildung und zur Bereitstellung der nötigen Mittel enthalten. Dies umzusetzen ist Aufgabe der Regierung. Daher fordern wir, dass sich der Nationalrat mit der prekären Lage an den Universitäten und Schulen konstruktiv auseinander setzt, das nötige Geld zur Verfügung stellt und sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Lage findet.“, so die Vorsitzenden einhellig.

Presseaussendung

Uni für alle, die wollen!

7. Juni 2005

In Bezug auf das heute gefällte Urteil im EuGh fordert die Katholische Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) einen offenen Hochschulzugang und die Bereitstellung nötiger Ressourcen an den Universitäten für all jene, die studieren wollen.

„Die Einführung von Zugangsbeschränkungen an den österreichischen Universitäten ist definitiv die falsche Reaktion auf das Urteil des EuGH. Stattdessen sollte sich das Bildungsministerium Wege überlegen, wie Studienbedingungen geschaffen werden können, die eine Verbesserung für alle Studierenden bedeuten. Wenn in Seminaren kein Platz für alle Interessierten ist, sind nicht die Studierenden zu viel, sondern die Ressourcen zu wenig“, antwortet Ingrid Kreutzer, Vorsitzende der KHJÖ, auf den Ruf nach Zugangsbeschränkungen nach dem EuGH-Urteil.
„Wenn Zugangsbeschränkungen Realität werden, gehen wir einen Schritt zurück in ein System, in dem wenige, die ein großes Wissen haben und sich dadurch in Führungspositionen befinden, über die Köpfe vieler, denen die Chance auf einen höheren Bildungsweg genommen wurde, entscheiden. Und das widerspricht jeglicher Grundlage einer gerechten Gesellschaft, für die gerade wir als ChristInnen eintreten“, stellt die Vorsitzende fest.
„Der Urteilsspruch sollte als Chance genutzt werden, einen freien Hochschulzugang in ganz Europa zu realisieren, sodass jede und jeder, der/die studieren möchte, dies auch tun kann. Ein europaweiter freier Hochschulzugang würde eine Stärkung der EU abseits von Aufrüstung oder Verfassung bringen, Grenzen würden fallen und die EU könnte Vorbild einer gerechten Gesellschaft sein, in der das gleiche Recht auf Bildung für jeden Menschen tatsächlich Realität geworden ist,“ sieht Julia Baumgartner die internationale Dimension in diesem Urteilsspruch. „Österreich könnte als Vorbildland fungieren, indem es den freien Hochschulzugang wieder zu einem solchen macht. Eine aktive Bildungspolitik, die mutig vorausdenkt, vorausplant und gestaltet, eine Bildungspolitik, die agiert und nicht reagiert, würde dieses Urteil nicht als Grund für kurzfristige Maßnahmen auffassen, sondern die Diskussion um den freien Hochschulzugang europaweit anregen“, ergänzt Ingrid Kreutzer.
Nun könne man beginnen, über alternative Uni-Modelle nachzudenken und diese auch umzusetzen. Selbstorganisierte Lehrveranstaltungen und autonome Seminare sowie Fernstudien wären Ansatzpunkte, Alternativen zu den Zugangsbeschränkungen zu realisieren.„Wir sind uns bewusst, dass die Situation an den Universitäten mittlerweile teilweise untragbar geworden ist, die Kommunikationswissenschaft in Salzburg, die Psychologie in Wien, die Medizin in Wien und Graz sind derartig überrannt, dass Alternativen gefunden werden müssen. Zugangsbeschränkungen sind in unseren Augen aber keine Alternative, sondern ein einfacher Ausweg, der erlaubt, kritische und konstruktive StudentInnen von den Universitäten fernzuhalten und Menschen aus bildungsfernen Schichten die Chance auf ein Studium verstärkt zu nehmen. Dies spricht gegen die christliche Vorstellung einer gerechten Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben müssen, diese auch umzusetzen. Wir fordern die Ministerin auf, das Urteil nicht als Vorwand für die Einführung von Zugangshürden zu nutzen, sondern in konstruktiven Gesprächen mit allen Beteiligten Lösungen zu finden, die einer Zweiklassengesellschaft eben keinen Vorschub leisten, sondern diese zu verhindern versuchen“, fordert Ingrid Kreutzer.

Presseaussendung

ÖH-Wahlen – Chance zur Mitgestaltung des universitären Lebensraumes

27. Mai 2005

Die Katholische Hochschuljugend Österreichs (KHJÖ) ruft ihre Mitglieder und alle Studierenden auf, bei der heurigen ÖH-Wahl vom 31. Mai – 2. Juni von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und so einen Kontrapunkt zu der sich breit machenden Demokratiemüdigkeit und Politikverdrossenheit zu setzen.

Die KHJÖ ruft alle Studierenden auf, von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch zu machen und an den ÖH-Wahlen nächste Woche teil zu nehmen. „Wenn Kompetenzen der StudierendenvertreterInnen von Seiten der Regierung zunehmend gekürzt werden, ist es besonders wichtig, durch hohe Wahlbeteiligung deutlich zu machen, dass wir mündige BürgerInnen sind, die konstruktiv Gesellschaft und Politik mitgestalten wollen“, so Barbara Mandl, Vorsitzende der KHJÖ.

Die ÖH-Wahlen werden heuer zum ersten Mal nach dem neuen Modus durchgeführt, in dem die Bundesvertretung der Studierenden nicht mehr direkt gewählt, sondern von den Universitätsvertretungen beschickt wird. „Das soll kein Grund sein, nicht wählen zu gehen“, meint Johanna Niederkofler, stellvertretende Vorsitzende der KHJÖ. Viel mehr sei genau aufgrund dieses Einschnittes wichtig, vom Recht, an den Universitäten zu wählen, Gebrauch zu machen. „Es entspricht unserer christlichen Grundeinstellung, das gesellschaftliche Geschehen nicht ungeachtet an uns vorüber gehen zu lassen, sondern uns einzubringen und die Verantwortung für die Gestaltung unseres Lebensumfeldes zu übernehmen – konkret also der Universitäten“, so Johanna Niederkofler weiter. Eine Möglichkeit dazu sei die Beteiligung an der bevorstehenden ÖH- Wahl.

„Durch eine hohe Wahlbeteiligung können wir ausdrücken, dass uns die Mitsprache unserer gewählten Vertreterinnen und Vertreter – an der Universität und auf Bundesebene – wichtig ist. Zudem drücken wir durch unsere Stimmabgabe Wertschätzung gegenüber demokratischem Engagement – einem wesentlichem Charakteristikum einer zukunftsfähigen Gesellschaft – aus,“ abschließend Barbara Mandl.

Die KHJÖ möchte der geringen Beteiligung an den ÖH-Wahlen entgegenwirken und appelliert an alle Studierenden, die Wahl nicht als Last, sondern als Chance zur Mitgestaltung und Mitbestimmung zu sehen und diese auch wahrzunehmen.

Presseaussendung