Istanbul 2009 – Tag 3 – Ökumenisches Patriarchat und Müftülük

Zur Übersicht Istanbul 2009

Sonnige und relativ lange Wanderung entlang des Halic zum Ökumenischen Patriarchat im Stadtteil Fener. Der Patriarch, der bis vor kurzem beim Erzbischof von Salzburg geurlaubt hat, ist heute nicht da. An seiner Statt empfängt uns sein Pressesprecher Pater Dositheos, der vor seiner Tätigkeit für die Orthodoxe Kirche Chemiker in Deutschland war und daher ausgezeichnet Deutsch spricht. Nach einer Kurzvorstellung des Patriarchats ist beantwortet er viele Fragen. Die Kommunikation mit den türkischen Behörden in Ankara sei schwierig, sagt er. Vor allem bekomme man nie etwas schriftlich, da könne man selber schreiben, soviel man wolle. Die Bemühungen, das seit 1971 auf staatliche Anordnung geschlossene orthodoxe Seminar auf der Insel Halki wieder eröffnen zu dürfen, seien bisher vergeblich gewesen. Die türkischen Ambitionen auf einen EU-Beitritt könnten vielleicht Bewegung in die Sache bringen. Das ökumenische Patriarchat befürworte die Aufnahme der Türkei in die EU. Nach dem Gespräch sehen wir uns die Georgskirche, die Kathedrale des Patriarchen an.

Am Nachmittag sind wir zu Gast in der höchsten islamischen Behörde der Stadt und sprechen mit einem der vier Stellvertreter des Großmüftülük. Seine Behörde ist u. a. mitzuständig für den Inhalt der Predigten in den Moscheen von Istanbul und eine Art Ausgleichsstelle zwischen den Interessen der Religionsgemeinschaft und des Staates. Heikle Fragen (………) beantwortet er eher ausweichend. Er gibt sich als entschiedener Gegner des US-Einmarschs in den Irak. Zum Abschied schenkt er jedem von uns eine Art islamischen Katechismus in deutscher Sprache, an dem zum Beispiel auffällt, dass er als Rechtsschulen des Glaubens neben dem „Volk der Sunna“ nur ein „Volk des Abweichens“ kennt. Ob man darunter alle nicht-sunnitischen Moslems wie z. B. die Schiiten verstehen soll, bleibt offen…

Von der prächtigen Süleymaniye-Moschee können wir leider nur ein Viertel besichtigen, der Rest wird gerade hinter blickdichten Holzwänden renoviert. Beim anschließenden Besuch des großen Basars sind wir froh, unter Dach zu sein – es schüttet nämlich in Strömen.

Das abendliche Kartenspielen (Watten, was sonst) versüßen wir uns mit reichlich eingekauften Baklava-Vorräten.


  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks