Istanbul 2009 - Tag 4 - Ökomenischer Patriarch und Hagia Sophia
Pater Dositheos hat uns für halb zehn zur Teilnahme an der Liturgie in der unweit des Patriarchats gelegenen Nikolaus-Kirche eingeladen. Begangen wird der Namenstag eines uns völlig unbekannten anatolischen Heiligen. Die Liturgie ist sehr lang, sehr feierlich, außer der Predigt durchgängig gesungen, sehr weihrauchgeschwängert und selbst für die TheologInnen der KHJÖ-Gruppe, die irgendwann einmal Griechisch gelernt haben, kaum verständlich: Zu erkennen sind gerade mal das Glaubensbekenntnis und dass das Evangelium irgendwas aus den Abschiedsreden Jesu nach Johannes sein muss. Zur Kommunion geht fast niemand, zur abschließenden Austeilung des Segensbrotes durch den Patriarchen hingegen fast alle. Nach der Liturgie empfängt der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. uns und die beim Gottesdienst anwesenden Gläubigen in der Vorhalle der Kirche. Der Patriarch spricht sehr gut Deutsch und erzählt von seinen guten Kontakten zu Österreich, u. a. zu Kardinal Schönborn. Wir werden mit pikanten und süßen Häppchen bewirtet, dazu werden Getränke einschließlich verschiedener Schnäpse gereicht. Ein Gruppenfoto an der Ausgangsstiege rundet die interessante und freundliche Begegnung ab.
Am Nachmittag ist Zeit, die Hagia Sophia und die Sultan Ahmet Moschee (die sog. Blaue Moschee) zu besichtigen. Alois Kölbl gibt uns eine kunstgeschichtliche Einführung zur Hagia Sophia. Das Angebot eines professionellen Führers, uns die Sultan Ahmet Moschee zu erklären, lehnen wir mit einiger Mühe ab. Aufdringliche Händler und diverse Dienstleister abzuwimmeln, ist überhaupt eine häufige Tätigkeit während der ganzen Woche. Nicht ablehnen wollen wir hingegen den Vorschlag unseres Hostel-Inhabers Ömer, uns ein türkisches Bad zu organisieren. So geht die ganze Gruppe des Abends geschlossen in einen alten Hamam, der angeblich bereits seit 1710 besteht und dessen letzte Renovierung dem Aussehen nach etwa in den 1960er-Jahren gewesen sein dürfte. An dem Abend sind fast alle Lampen ausgefallen. Aber bei Kerzenlicht und eilig herbeigeholten Kellerlichtern wirken die alten Baderäume eh noch romantischer. Weniger romantisch geht das Personal beim Massieren ans Werk. Wir verkneifen uns aber jegliches Gejammer. Als wir zum Schluss in Handtücher eingehüllt in der Vorhalle unseren Caj schlürfen, wirken wir alle recht zufrieden. Passend zur wohligen Hamam-Wärme drinnen regnet es draußen schon wieder recht heftig.






