Heiße Sohlen
Tiefe Temperaturen, Regen und sogar Schneefall – so lautete die Wettervorhersage für 13. bis 16. Mai 2010. Das Christi Himmelfahrt Wochenende, und somit die Österreichische Studierenden Wallfahrt nach Mariazell war eine nasse Angelegenheit. Doch fünf junge Leute aus Leoben zeigten, dass sie keine Schönwetterchristen sind und machten sich auf einen dreitägigen Pilgerweg von Leoben nach Mariazell auf.
Nach dem Reisesegen von Stadtpfarrer Markus Plöbst führte die erste Etappe über das Himberger Eck nach Oberdorf. Die sportliche Gruppe konnte die 800 Höhenmeter in weniger als drei Stunden zurücklegen. Nach der Mittagspause an der Bushaltestelle, begann es zu regnen. Der Regen wollte bis St. Katharein nicht nachlassen. Wolfgang Ziegler, konnte die Gruppe bei Laune halten und wurde deshalb zum Motivator der Wallfahrt erwählt. In Etmißl feierte die Pilgergruppe eine Maiandacht mit. Voller neuer Kraft machten sich die fünf Leute auf nach Thörl. Dort wurden sie vom Pastoralassistenten Herbert Schaffenberger herzlich empfangen. Nach zwölfstündiger Wanderung war der Hunger groß. Nach einer kräftigen Portion Spaghetti schlüpften die Fünf in ihre Schlafsäcke.
Das Aufstehen am nächsten Tag brachte einige Schwierigkeiten mit sich – heiße, empfindliche Fußsohlen, Blasen und Muskelkater waren die Hauptgründe noch eine halbe Stunde „Schlummern“ anzuhängen. Doch als Anna Jäger Kaffee und Tee gekocht hatte und die frischen Semmel den Raum erfüllten, dauerte es nur wenige Minuten bis alle beim Tisch saßen. Nach einem kurzen Morgenlob in der schönen, modernen Kirche in Thörl startete die Gruppe in den Tag. In Turnau konnten die Leobner in einer Konditorei ein zweites Frühstück einnehmen und den gröbsten Schauer abwarten. Danach führte der Weg sie auf Almboden. Eine wunderschöne Landschaft erwartete die Gruppe rund um den Rauschkogel. Auf 1721 Höhenmeter hatte es winterliche Temperaturen, so waren die Fünf sehr froh, dass die Wirtsleute auf der Rauschalm sie in die warme Stube geladen haben.
Ohne den Orientierungsmeister Matthias Narnhofer wäre die Gruppe nicht bis zur Rotsohlalm gekommen. Es war oft nicht einfach die richtigen Wegweiser zu finden. Beim Nikolo Kreuz war allen klar, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit Niederalpl nicht erreichen werden.
Richtige Hindernisse waren auf dem Forstweg aufgebaut. So berichtet Elisabeth Jäger, dass ein Übermanns hoher Holzstapel den Weg versperrte: „Das nasse Holz war so rutschig, man musste sehr gut aufpassen, dass man nicht stürzt!“
Nach 13 harten Stunden hatten die Fünf es geschafft. Die Grazer Kollegen warteten bereits vor der Herberge und begrüßten die müden Wanderer voll Freude. Auch die Wirtsleute in der Holzbox haben auf die Gruppe aus Leoben gewartet und so konnten sich alle mit einem warmen Abendessen für die letzte Etappe stärken.
Am nächsten Morgen ging es auf dem Mariazellerweg Richtung Gusswerk. Peter Ranninger, der Marathonläufer machte das Tempo. So kamen die Leobner ziemlich flott voran. Nachdem sie den Vorraum der Raiffeisenbank Gusswerk als Jausenstation missbrauchten, konnten auch die letzten Kilometer in Angriff genommen werden.
Beim Ortsschild von Mariazell wurden die Leobner vom Studienkollegen, Mario Kuss empfangen. Er führte sie das letzte Stück zur Basilika, wo die Wallfahrt mit einer großen Gruppenumarmung beendet wurde.
Es gibt auch einige Wallfahrertraditionen in Mariazell. Zum Beispiel sollte man nachdem man sein Ziel erreicht hat einen Mariazeller Magenlikör trinken. Dieser Brauch kommt aus der Zeit als die Pilger von weit her kamen und am Ende der Reise nur noch altes Brot zum essen hatten. Er hat alle möglichen Viren und Bakterien abgetötet. Ein richtiges Gesundheitsschnapserl!
Wenn die Pilger dann wieder nach Hause gegangen sind, haben sie sich Lebkuchen aus Mariazell als Wegzehrung mitgenommen. Lebkuchen hält um einiges länger als Brot. Die Studierenden haben den Heimweg zwar mit öffentlichen Verkehrsmittel angetreten, aber auch sie haben sich mit Lebkuchen eingedeckt.
Die Leobner Studenten bekamen am Sonntag die Möglichkeit, den Kirchturm zu besichtigen. Pünktlich um 12:00 Uhr begann das Mittagsläuten. Beeindruckt waren die Studierenden von den „kleinen“ Glocken die ihre Klänge von sich gaben, doch als auch noch die größte Glocke im Turm zu schwingen begann, blieb ihnen der Mund offen stehen. Das ganze Gerüst vibrierte während die mächtige Glocke mit ihrem vollen Klang ertönte.
Einen würdigen Abschluss dieses ereignisreichen, anstrengenden und wunderschönen Pilgerwochenendes bildete der Wallfahrtsgottesdienst mit Erzbischof Dr. Alois Kothgasser. Die Messe wurde vom KHG Chor Wien und Graz mitgestaltet. Auch eine Wiener Musikgruppe und zwei Solisten mit unglaublichen Stimmen berührten die Herzen aller Teilnehmer der Österreichischen Studierenden Wallfahrt 2010.
