KHJ-Wochenende
Von 6. bis 8. Dezember 2008 waren wir auf der Anton-Dupal-Hütte in Kleinreifling. Das Wochenende stand ganz im Zeichen unseres Jahresthemas, mehrere Inputs wurden dazu vorbereitet.
Wochenende der KHJ Linz 6. – 8. Dezember 2008,
Anton-Dupal-Hütte, Viehtaleralm bei Kleinreifling im Ennstal
Zur intensiven Auseinandersetzung mit ihrem Jahresthema „Spuren legen: nachhaltig leben“ verbrachte eine 12-köpfige Gruppe der Katholischen Hochschuljugend Linz das um den Maria-Empfängnis-Tag verlängerte Wochenende 6.-8. Dezember 2008 auf einer Selbstversorgerhütte im Reichraminger Hintergebirge.
Schon die Zug-Anreise von Linz nach Kleinreifling und der zweistündige Hüttenaufstieg zu Fuß signalisierten ökologisch verträgliches Reisen. Beim Einkauf der Lebensmittel, die wir nun in erheblich schweren Rucksäcken auf die Alm schleppten, hatten wir zuvor auf die Kriterien „regional, saisonal, biologisch, Fair Trade“ geachtet. Natürlich waren wir da gleich an gewisse Grenzen gestoßen. Weil wir uns Spaghetti Bolognese in den Kopf gesetzt hatten, brauchten wir Tomaten – nicht gerade ein Saisongemüse im Dezember. Aber dafür gibt’s ja passierte Tomaten im Tetrapack. Wo die nicht-biologischen Tomaten gewachsen waren, verriet der immerhin österreichische Hersteller nicht. Gewissensberuhigend waren dafür die Bio-Eier von hoffentlich glücklichen oberösterreichischen Hühnern für die Palatschinken und der ausgezeichnete steirische Eigenbau-Weißwein vom Schwager unserer Sekretärin.
Um gleich beim Thema Essen zu bleiben: Kulinarisch war das KHJ-Wochenende recht ergiebig. Der viele Käse in den Palatschinken, beim Frühstück und zur Jause dürfte sich allerdings nachteilig auf unsere „Ökologischen Fußabdrücke“ ausgewirkt haben.
Jedenfalls war dem Impulsreferat von David Schellander und der anschließenden Fragebogen-Auswertung zu entnehmen, dass intensiver Käsekonsum mit einem erheblichen Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche einhergeht. Die Fragebogen-Aktion unter den TeilnehmerInnen des Wochenendes ergab, dass die KHJ’lerInnen beim lebensstilbedingten Energie- und Raumverbrauch, den der sogenannte „Ökologische Fußabdruck“ als beanspruchte Landfläche in Hektar ausweist, unter dem österreichischen Durchschnitt von 4,6 Hektar lagen. Die Unterschiede bei den einzelnen Leuten waren aber beträchtlich. Generell war zu erfahren: Wer viel Auto fährt und häufig Flugreisen macht, viel Fleisch und Fertigmahlzeiten isst, viele Möbel und Kleidungsstücke kauft und eine womöglich große Wohnung im Winter womöglich mit Strom auf 22°C heizt, hinterlässt quasi den Fußabdruck eines Riesen. Die größten Riesen weltweit sind die US-Amerikaner mit einem Fußabdruck über 8 Hektar. Bei gleicher Verteilung der Gesamtfläche stünden jedem Weltbürger derzeit 1,8 Hektar zur Verfügung.
(Näheres unter: www.umweltschutz.wien.at/nachhaltigkeit/fussabdruck/index.html)
Das Rollenspiel zum Thema „Arbeitsfreier Sonntag“ unter der Anleitung von Daniel Reischl zeigte die recht unterschiedlichen Interessen der Akteure: Während der Autoindustrie-Zulieferer seine Maschinen gern rund um die Uhr ausgelastet sehen wollte und sein junger noch kinderloser Angestellter auch gar nichts gegen gut bezahlte Sonntagsarbeit einzuwenden wusste, wenn die ihm einen freien Donnerstag zum Snowboarden ermöglicht hätte, war der Feuerwehrobmann strikt dagegen: Er brauchte die freien Wochenenden für die gemeinsamen Feuerwehrübungen. Auch die im Handel tätige Mutter zweier Kinder konnte dem Arbeiten am Sonntag, das ihr Chef befürwortetete, nichts abgewinnen, weil ihre Kinder am Samstag und Sonntag schulfrei hätten und nicht während der Woche. Dass der Pfarrer für seine Schäfchen den Tag des Herrn arbeitsfrei sehen wollte, versteht sich von selbst. Mit dem Pfarrer wollte es sich der Bürgermeister zwar nicht vertun, aber der Autoindustrie-Zulieferer im Ort war ihm ebenso wichtig wie der florierende Einzelhandel. Und so war er in der Sonntagsarbeits-Frage gespalten.
Die Frage „Wieviel Religion braucht der Mensch?“ stand im Zentrum meines persönlichen Impulses zum KHJ-Wochenende. Dabei ging es unter anderem um eine Beschreibung von Religion als „Aufmerksamkeit auf die Abhängigkeit von der Erde und den Mitmenschen“ und als „Anerkennung des Umstandes, als Mann (bzw. Frau) mit bestimmten Fähigkeiten und bestimmten Grenzen in einer bestimmten Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit zu leben“. Da Religiös-Sein es mit sich bringt, die Fragen „Wovon lebe ich?“ und „Wofür lebe ich?“ zu stellen, unternahm ich auch den Versuch einer Antwort. Auf die Wovon? -Frage ging ich mithilfe der fünf Prioritäten Schlaf, Bewegung und Ernährung, Gebet, Gemeinschaft und Arbeit ein (vgl. Franz Jalics, Kontemplative Exerzitien – Eine Einführung in die kontemplative Lebenshaltung und in das Jesusgebet. Echter-Verlag, 9. Auflage, Würzburg 2005). Bei der Wofür-lebe-ich? -Frage spielte der Hinweis auf die Dankbarkeit im Sinne eines Mich-verdankt-Wissens ebenso eine Rolle wie das Erzählen von einer persönlichen Glaubenserfahrung. Die Arbeitseinheit klang aus mit einem Kleingruppen-Bibelgespräch zum Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24-30).
„Multi-tasking is a moral weakness.” Diese überraschende Feststellung traf Thomas Würthinger im Rahmen seiner Empfehlungen zur Entschleunigung. Man möge eben nicht gleichzeitig telefonieren und in den Computer schauen; nicht zur selben Zeit essen und lesen oder fernsehen und nicht ans Handy gehen, wenn man schon mit jemandem redet, der persönlich anwesend ist. Der Versuch, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, beeinträchtige die Qualität jeder einzelnen Handlung. Es gelte, die ungeteilte Aufmerksamkeit eben der Tätigkeit zuzuwenden, die gerade anstünde, bzw. eben der Person, mit der man es aktuell zu tun habe. Zu den Entschleunigungs-Tipps gehörte auch der Rat, Arbeitsort und Wohnort möglichst nahe beisammen zu halten, um lange Fahrzeiten zu vermeiden sowie die Erwägung eines Verzichts auf ein eigenes Auto.
Im Anschluss an die Impulsreferate wurde stets angeregt diskutiert. Dennoch kam während des gesamten Wochenendes auch das gemeinsame Spielen nicht zu kurz. Vor allem Watten war angesagt (für Insider: ladinisch-kritisch mit Gutem und Schlechtem).
Am Samstagmittag, nachdem viel Neuschnee gefallen war, stand eine Winterwanderung zum Borsee am Programm – exzessives Gruppen-Purzelbäume-Schlagen im Tiefschnee inklusive.
Am Morgen hielten wir jeweils eine kurze Andacht mit Tagesevangelium und Gesang. Zum Thema „Gebet“ brachte David Schellander eine sehr einprägsame Legende zu Gehör, die abschließend in voller Länge wiedergegeben sei.
In Maria Wörth wurde der große Frauentag gefeiert. Schiffe kamen von allen Seiten herangefahren und brachten Andächtige aus nah und fern, die an dem Umgang teilnehmen wollten. Nur ein armer Halterbub drüben in Pritschitz musste zu hause bleiben und die Kühe hüten, da er weder Schuhe noch Kleider besaß, um an dem Feste teilnehmen zu können. Traurig stand er auf der Weide und sah hin nach Maria Wörth. Er sah schon die Prozession ziehen und hörte das Beten der Menge, das zu ihm herklang wie „Platschiken-Platschaken“.
Der Bub fühlte große Sehnsucht, auch hin zur Mutter Gottes zu kommen. Er eilte zum See, faltete in inniger Andacht die Hände und, das Geräusch des herklingenden Gebetes nachahmend, schritt er aus und ging hin über das Wasser. In Maria Wörth sahen Pfarrer und Andächtige das Kind über den See herkommen. Sie eilten zum Ufer, um das Wunder in der Nähe zu sehen. Da hörten sie zu ihrem Erstaunen, wie das Kind in inniger Andacht „Platschiken-Platschaken“ sagte.
‚Kind’, sprach der Pfarrer, ‚was sagst du da? Das ist ja kein Gebet. So betet man nicht.’ Und er lehrte es die Worte eines Gebetes.
‚Jetzt, mein Kind, kehre zurück und sprich, was du von mir gelernt.’
Folgsam ging der Knabe wieder auf das Wasser und sprach das gelernte Gebet. Bald darauf war er in den Wellen verschwunden.
Georg Graber, “Sagen und Märchen aus Kärnten”, Leykam-Verlag, Graz, 1935 und 1944.
(zitiert nach http://members.aon.at/mettnitzer.at/gedanken/m_lit0501_Graber.html)
Robert Kaspar