Archiv

Autor Archiv

Mitglieder-Vollversammlung

6. Oktober 2011

Hallo liebe KHJlerInnen!

Wir dürfen euch recht herzlich zur

1.MV im WS 2011/12 am

MO, 10.10., 19:30

im

Raum der Stille (bzw. Galerie)

einladen!

Die Tagesordnung wurde via Mail ausgesendet und gebt bitte etwaige Änderungswünsche, ebenfalls per Mail an uns bekannt!

Danke! :)
Freun uns auf eine kurzweilige MV,
Lisi, Christina, Michael, Francisco

Uncategorized

Die Ferien gehen dem Ende zu

26. September 2011

Bald ist es soweit und das neue Semester startet und mit ihm das neue KHJ-Vorstandsteam. Wir freuen uns auf ein spannendes Studienjahr und dürfen gleich zum ersten Großevent einladen, dem Tag der Linzer Hochschulen!

Tag der Linzer Hochschulen: „Demokratie auf Russisch?“
Do. 13.10. / 19:30 / KHG-Galerie
Referentin: Dr.in Susanne Scholl, freie Journalistin, Schriftstellerin und Osteuropa-Expertin
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Forum St. Severin

Zusätzlich möchten wir darauf hinweisen das am 04.10. unsere wöchentlich stattfindende “Morgenmedidation” startet. Treffpunkt jeden Dienstag um 07:00 Uhr im Raum der Stille, dem interreligiösen Raum der KHG-Linz im Franz Jägerstätter Studierendenheim.

Am 19.10. findet um 20 Uhr der erste Universitätsgottesdienst im Studienjahr 11/12 statt.

Noch eine schöne letzte Ferienwoche und in Freude auf ein Wiedersehen,
das Vorstandsteam der KHJ

Uncategorized

Erfolgreiche Sammelaktion für Melitus Onongaya

5. August 2011

Die Sammelaktion der KHJ Linz für den ehemaligen “Kupfermuckn”-Verkäufer und zukünftigen Flughafen-Taxifahrer in der nigerianischen Stadt Enugu, Melitus Onongaya, hat insgesamt 13.000 Euro erbracht.

Melitus hat sowohl das für das Taxifahren notwendige Auto, einen gebrauchten Toyota Corolla, als auch den als Startkapital gedachten Differenzbetrag von 8.000 Euro schon erhalten. Den Führerschein hat er auch schon gemacht. Jetzt übt Melitus an seiner Fahrpraxis.

In seinem Namen sagt die KHJ Linz allen SpenderInnen und Spendern ein herzliches DANKE!

Uncategorized

Die KHJ Linz wünscht erholsame Sommerferien

1. Juli 2011

Wir wünschen allen Studierenden erholsame, sonnige und fruchtbringende Sommerferien.Entspannen und Energie tanken am Strand mit Mountainbike!

Der erste KHJ Gottesdienst findet voraussichtlich am 1. Sonntag im Oktober um 22 Uhr im Raum der Stille statt.  Nähere Informationen zum Sommerprogramm der KHJ und KHG findest du unter www.khg-linz.at!

Frohe Ferien

das Team der KHJ-Linz

Uncategorized

KHJ Linz Website mit Facebook und Twitter verlinkt

1. Juli 2011

Ab sofort könnt ihr Artikel und Berichte, welche euch besonders gut gefallen, Freunden und Followern in Facebook und Twitter empfehlen! Dazu müsst ihr einfach auf Gefällt mir oder das Twitter Symbol über dem Bericht klicken.

Uncategorized

Starthilfe für Melitus Onongaya in Enugu – Auto ist finanziert!

18. Februar 2011

Melitus Onongaya wird nach Nigeria zurückkehren.

Der allseits bekannte und beliebte Kupfermuckn-Verkäufer, der seit fünf Jahren sechs Tage pro Woche bei jedem Wetter am Standort vor der Thalia-Filiale in der Landstraße arbeitet, wurde vom Asylgerichtshof in Wien aus Österreich ausgewiesen. Den unsicheren Weg einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof will Melitus nicht mehr gehen. In seine unmittelbare Heimat im Südosten Nigerias zurückzukehren, wäre lebensgefährlich. Wegen lokaler Unruhen dort, die unter anderem durch die Aktivitäten des Ölkonzerns Shell ausgelöst wurden und bei denen ein Priester ermordet und Familienmitglieder verletzt wurden, ist Melitus im Jahr 2005 geflüchtet.

Jetzt sieht Melitus Chancen für sich, in der Provinzhauptstadt Enugu als Taxi-Fahrer Fuß zu fassen.

Für den dazu notwendigen Fahrzeugkauf hat er bereits 5000 Euro angezahlt, die er durch Fleiß und bescheidenste Lebensführung erspart hat. Bis vor kurzem haben ihm noch 5000 Euro gefehlt – 3000 davon für den Gebrauchtwagen (einen Toyota Corolla Baujahr 2005, den er in Nigeria in gutem Zustand nicht bekommen könnte), 1000 Euro für die Überstellung nach Nigeria, 1000 Euro für Zoll bzw. Abgaben. Für die geordnete Abwicklung des Autokaufs und -transfers sorgt der Priester Dr. Ignatius Emefoh, Leiter der Afrikanischen Gemeinde am Linzer Mariendom.

Dieser Betrag ist neuerdings (Stand 7. März) gesichert!

Seit Beginn der Spendenaktion Mitte Februar sind bereits über 5500 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen.

Melitus Onongaya, der in den letzten Jahren  im Flüchtlingszimmer der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) bewohnte und guten Kontakt zu den Studierenden im Franz-Jägerstätter-Heim hat, wird voraussichtlich am 24. März mit Unterstützung der Rückkehrhilfe der Caritas nach Lagos, Nigeria, fliegen und dann in die Provinzhauptstadt Enugu weiterreisen.

Weitere Unterstützung kann Melitus Onongaya aber durchaus brauchen:  Er kann zwar in der ersten Zeit bei einem ortsansässigen kath. Priester wohnen, muss sich aber innerhalb von 6 Monaten selber eine Wohnung suchen und finanzieren.

Es ist daher nach wie vor möglich,  Melitus Onongaya eine Starthilfe – über die Auto-Finanzierung hinaus – zukommen zu lassen:

Einzahlungen bitte auf das Konto- Nr. 35.942.184

„Sozialprojekt d. KHJ“

BLZ 34.000 (Raiffeisen Landesbank OÖ)

Bargeldspenden sind zu den üblichen Öffnungszeiten möglich im Büro der

Katholischen Hochschulgemeinde und Hochschuljugend,

Mengerstraße 23, 4040 Linz (Sekretärin Veronika Harrer).

SoPro

Schneeballschlacht am KHJ Wochenende

18. Januar 2011

Eine Gruppe Studierender verbringt ein Wochenende auf einer Hütte in den Bergen. Die jungen Menschen bringen Vorträge ein und diskutieren eifrig. Nach dem ersten großen Vormittagsblock verlassen sie die Herberge, um zu einer nahen Burgruine aufzusteigen und den Kopf ordentlich auszulüften. Die Sonne strahlt auf den über Nacht gefallenen Schnee, die klare kalte Luft brennt in den Lungen. Der nur wenige Minuten dauernde Aufstieg ist erfüllt von fröhlichem Geplauder, jeder geht sein Tempo.

Bereits erreichen die ersten einen verfallenen Vorturm, dessen verfallende Mauern zum Klettern einladen, wenn auch nicht zu hoch. Zu kalt sind die Steine, zu ungelenk die festen Winterschuhe. Nach den letzten Versuchen ist die Gruppe wieder vollzählig und man legt die letzten Schritte zur Hauptruine zurück.

khj_gruppenbild

Über dem Burghof liegt tiefe morgendliche Ruhe. Beim Erkunden zerfällt die Gruppe in kleine Grüppchen, die sich über die gesamte Fläche verteilen. Und als sich auch noch diese auflösen, sieht man vereinzelt versteckte Schneebälle in den Händen aufblitzen.

Während eines Augenblicks verwandeln sich die eben noch Erwachsenen in ausgelassen tobende Kinder. Die Luft ist erfüllt von waagerecht einfallendem Schnee, nur über die Richtung ist sich noch niemand einig. Schnell ist ein gemeinsames Ziel gefunden, nämlich Max, der eine der Mauern des Burghofes erklommen hat. Bereits nach den ersten Treffern verfliegt die Einigkeit auch wieder, die Winde wehen aus den unterschiedlichsten Richtungen.

max_schneeball

Lassen wir doch den Blick ein wenig herumschweifen:

Zur rechten sieht man Robert, wie er, wasserdicht verpackt, versucht, sich an der Mauer entlang zum etwas entfernten und windstillen Aussichtspunkt zu schleichen.

Weiter Richtung Mitte steht Joe auf einer niedrigen Anhöhe und nützt den guten Überblick dort, um seine Schneebälle gerecht zu verteilen.

In der Mitte nun, zu ebener Erde, hat man Mühe, Martin in dem Schneegestöber um ihn herum auszumachen. Neben ihm wagt Kerstin einige präzise Schüsse, gesellt sich dann aber bald zu Robert am Aussichtspunkt.

Weiter links wälzen sich Thomas und Johannes im Schnee, wobei sich, wie durch ein Wunder, nur an Thomas‘ Mantel Schnee ansammelt. Wenig später jagt ein Schneemann Johannes vom Feld.

dsc01611_small

Am linken Rand des Blickfelds sieht man noch Max, wie er verzeifelt versucht, möglichst schnell seine exponierte Lage hinter sich zu lassen.

Und immer wieder fliegen auch aus meiner Richtung Schneebälle ins Bild. Man kann doch nicht tatenlos zusehen…

Bald beruhigt sich der Schneesturm wieder, die lachenden Gesichter sammeln sich zum Rückweg. Den gröbsten Schnee aus der Kleidung schüttelnd steigt man wieder zur Herberge ab. Vereinzelt fliegen noch größere in den Händen verbliebene Schneereste, aber eigentlich ist der Blick schon wieder voll Spannung vorwärts gerichtet, auf die kommenden Beiträge und Gespräche in der Hütte.

Advent, Diskussionsveranstaltung, KHJ

Medien machen Religion. Der tägliche Kampf um die Aufmerksamkeit

17. Januar 2011

Am Montag, dem 10. Jänner 2011 nahmen der Theologe Dr. Helmut Eder von der KTU Linz, KHJÖ-Vorsitzender  DI Thomas Würthinger und ich bei einer Abendveranstaltung in der KHG-Galerie die Gelegenheit wahr, Überlegungen zum KHJ-Jahresthema “ReligionMachtMedien” vor gut 25 TeilnehmerInnen vorzutragen und anschließend mit ihnen zu diskutieren. Während Helmut Eders Ausführungen vor allem der “Ökonomie der Aufmerksamkeit” nach Georg Franck und den von Pierre Bourdieu geprägten Begriffen des Ökonomischen, Sozialen, Kulturellen und Symbolischen Kapitals galten und Thomas Würthinger unter anderem neue Entwicklungen rund um das Internet-Phänomen “Facebook”  thematisierte, ging es mir in erster Linie um den Nutzen und Nachteil der Medien für das Leben – im Anschluss an die im Titel ähnlich lautende Zweite Unzeitgemäße Betrachtung Friedrich Nietzsches von 1874.

Mein Referat sei hier in voller Länge wiedergegeben – in der Hoffnung, dass es auch über den Veranstaltungstag hinaus noch Anstoß zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren gibt.

Robert Kaspar

Medien machen Religion. Die logischen Konkurrenten der Kirchen

1. Die Unausweichlichkeit der Medien

Ich beginne mit einer Geschichte:

Der Zen-Meister Mu-nan weiß, dass er bald sterben wird und dass er nur einen wirklichen Nachfolger hat, seinen Schüler Shoju. Mu-nan lässt seinen Schüler Shoju holen und sagt ihm: „Ich bin nun ein alter Mann, Shoju, und du wirst diese Lehre weitergeben. Hier ist ein Buch, das seit sieben Generationen von Meister zu Meister weitergereicht wurde. Ich habe auch einige Anmerkungen hinzugefügt, und du wirst dieses Buch nützlich finden. Hier, nimm es als Zeichen, dass du mein Nachfolger bist.“

Shoju antwortet: „Besser, das Buch bleibt bei Euch. Ich habe Eure Zen-Lehre ohne ein geschriebenes Wort erhalten und will das auch weiterhin so halten.“

„Ich weiß, ich weiß,“ erwidert Mu-nan, „aber immerhin hat dieses Buch sieben Generationen gedient und es kann auch dir hilfreich sein. Hier, behalt es bei dir.“

Während des Gesprächs stehen die beiden zufällig neben dem Feuerplatz. In dem Moment, in dem das Buch von Mu-nan die Hand von Shoju berührt, packt der es und schleudert es ins Feuer. Mu-nan, den man noch nie zuvor wütend gesehen hat, schreit: „Was machst du da für Blödsinn?“ Schreit Shoju zurück: „Was redet Ihr da für Blödsinn?“ – Er ist nicht versessen auf geschriebene Worte.

Der indische Jesuit Anthony de Mello, der diese Geschichte erzählt, kommentiert sie mit dem Satz: „Der Guru berichtet unmissverständlich von seinen eigenen Erfahrungen. Er zitiert keine Bücher.“ 1

Daran, dass ich mit einer Geschichte eines anderen und mit einem Zitat beginne, erkennt jeder von Euch – auch, wer mich nicht kennen sollte -, dass ich kein Guru bin, sondern einer, der etwas studiert hat. Ein Theologe. Im Folgenden wird es zwar öfters um meine Erfahrungen gehen, weil ich hoffe, dass sie sich mit den Euren überschneiden werden. Jedoch werden sie mit allerhand Zitaten verbrämt sein. Ich kann nicht anders, ich bin ein Kind der Mediengesellschaft.

Meine Erfahrung ist, dass die Medien unausweichlich sind. Wir wachsen mit Büchern, Skripten, Zeitschriften und Zeitungen auf. Wir leben mit Gedrucktem, Fotografiertem und Gefilmten in allen Formen. Wir bewegen uns surfend, suchend und mailend im Internet. Wir haben einen Facebook-Account, also sind wir.

Die evangelische Theologin Dorothee Sölle hat in dem Aufsatz „Atheistisch an Gott glauben“ schon im Jahr 1966, lange vor dem Internet, versucht, die Unausweichlichkeit der Medien grundsätzlich in ein gutes Licht zu stellen:

Vor kurzem fragte ich einen Schriftsteller, warum er morgens die Zeitung lese. Er antwortete, es sei etwas Ähnliches wie das Morgengebet für frühere Generationen: Man vergewissere sich über den Gesamtzusammenhang. Ich dachte darüber nach, ob dieser Gesamtzusammenhang ein anderes Wort für Gott sei – oder: ob Christus nicht auch, heute lebend, die Zeitung läse statt zu beten.2

Die Antwort des Schriftstellers „Zeitungslektüre als Vergewisserung über den Gesamtzusammenhang“ beschäftigt mich seit langem. Ihr zufolge würde der Zeitungsleser in seinem Tun zuallererst Beruhigung suchen. Das hat für mich zunächst plausibel geklungen. Zwar stellen uns Zeitungen vor allem vor Augen, was alles in der Welt nicht in Ordnung ist: Mord und Totschlag, Kriege und Katastrophen, politische und wirtschaftliche Krisen, Verkehrsunfälle und österreichische Fußball-Ergebnisse. Aber dadurch, dass die Zeitungen darüber berichten, vermitteln sie gleichzeitig den Eindruck, dass abgesehen davon alles in schönster Ordnung sei. Wenn irgendetwas nicht in Ordnung wäre, stünde es ja in der Zeitung. Insofern ist die Zeitung, und, man darf ruhig ergänzen, die politisch-wirtschaftliche und die chronikmäßige Berichterstattung in Medien überhaupt, ein Ordnungsfaktor – weil die Berichterstattung die Unordnung überschaubar macht.

2. Was an Medien reizt

Der Reiz des Medienkonsums erschöpft sich sicher nicht in der Vergewisserung über den Gesamtzusammenhang. Was uns zur Nutzung der Medien bringt, ist sehr grundsätzlich der Reiz fremder Geschichten. Geschichten hat man sich schon an den Lagerfeuern der Steinzeit erzählt. Geschichten füllen wesentliche Teile der Bibel und historischer Bibliotheken. Geschichten kommen in sämtlichen Hollywood-Filme und in unzähligen Internet-Blogs. Die Sölle-Überlegung, ob Jesus, heute lebend, die Zeitung läse statt zu beten, möchte ich fürs Erste zurückstellen.

Die Beantwortung der Frage ist jedenfalls davon abhängig, wie viel Geschichten-Interesse ich Jesus

zutraue – Anteilnahme an den Geschichten anderer Leute, die eben nicht seine Nächsten gewesen wären, sondern höchstens seine Übernächsten. Die Leute in den Medien sind selten unsere Nächsten.

Warum faszinieren uns Geschichten fremder Leute? Reale Geschichten aus unserem Land? Geschichten aus anderen Kulturen? Geschichten aus anderen Zeiten? Unter Umständen auch erfundene Geschichten wie Fantasy-Romane oder Krimis?

Zumindest was den Reiz der „tatsächlich geschehenen“ Geschichten angeht, hat im 19. Jahrhundert der Philosoph Friedrich Nietzsche heute noch bedenkenswerte Antworten gefunden.1874 hat er seine so genannte Zweite Unzeitgemäße Betrachtung herausgegeben mit dem Titel Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben.3 Ich versuche jetzt eine Nutzanwendung von Nietzsches Überlegungen auf das Medienzeitalter und komme zu


3. Vom Nutzen und Nachteil der Medien für das Leben

Der Begriff „Historie“ schillert bei Nietzsche zwischen den Bedeutungen „Geschichte“, „Geschichtsschreibung“ und „Geschichtswissenschaft“.Apropos Schillern: Nietzsche zitiert seinerseits gleich am Beginn seiner Abhandlung Goethe, der in einem Brief an Schiller schreibt: Übrigens ist mir alles verhasst, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.

Mit diesem Goethe-Geständnis als Opener gibt Nietzsche sofort zu erkennen, worauf er hinaus will:

Historische Bildung soll ein Lebens-Mittel sein, oder sie soll nicht sein. Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen.

Nietzsche stellt fest: Es gibt einen Grad, Historie zu treiben, und eine Schätzung derselben, bei der das Leben verkümmert und entartet. Unzeitgemäß nennt der Philosoph seine Betrachtung, weil er etwas, worauf die Zeit mit Recht stolz ist, ihre historische Bildung, hier einmal als Schaden (…) und Mangel der Zeit zu verstehen versucht, weil er sogar glaubt, dass wir alle an einem verzehrenden historischen Fieber leiden und mindestens erkennen sollten, dass wir daran leiden.

Er bekennt auch, als gelernter Philologe ganz besonders von jenen quälenden Empfindungen betroffen zu sein.

Die quälenden Empfindungen sind übrigens durchaus auch die meinen. Das ist der Grund, weshalb ich Nietzsche hier ausgiebig zu Wort kommen lasse. Ich bin zwar nicht wie er mit 25 Jahren Professor für Philologie geworden. Aber ich habe doch ziemlich riesige Mengen von im weitesten Sinn historischen Bildungsinhalten in mich aufgenommen. Als Gymnasiast ebenso wie als Theologiestudent. Und weil ich doch spüre, mich dabei auch mit viel unnützem Zeug belastet zu haben, schließe ich mich dem Wunsch Nietzsches an: Wenn wir nur dies gerade immer besser lernen, Historie zum Zwecke des Lebens zu treiben!

Nietzsche stellt fest:

Die Frage (…), bis zu welchem Grade das Leben den Dienst der Historie überhaupt brauche, ist eine der höchsten Fragen und Sorgen in betreff der Gesundheit eines Menschen, eines Volkes, einer Kultur. Denn bei einem gewissen Übermaß derselben zerbröckelt und entartet das Leben…

Obwohl ich jetzt mit Nietzsche das Übermaß an historischer Bildung problematisiere, mute ich Euch jetzt drei Spezialvokabeln zu, mit denen der Philosoph die Reize der Historie, also der Auseinandersetzung mit Geschichte, charakterisiert:. Ich bringe die drei Begriffe deshalb, weil ich die Reize der Historie im Wesentlichen identifiziere mit den Reizen, die uns dazu bringen, Medien zu gebrauchen.

In dreierlei Hinsicht , sagt Nietzsche, gehört die Historie dem Lebendigen: sie gehört ihm als dem Tätigen und Strebenden, ihm als dem Bewahrenden und Verehrenden, ihm als dem Leidenden und der Befreiung Bedürftigen. Dieser Dreiheit von Beziehungen entspricht eine Dreiheit von Arten der Historie: (…) eine monumentalische, eine antiquarische und eine kritische.

Monumentalisch ist eine Geschichtsauffassung dann, wenn sie sich an Personen und Taten orientiert, denen man Denkmäler – Monumente – setzt. Monumentalische Historie betrachtet demnach Eroberungskriege und Befreiungskriege, Entdeckungen und Erfindungen, alles, was in irgendeiner Weise aus dem Strom der Geschichte herausragt.

Monumentalische Historie ermutigt laut Nietzsche – und dem ausgezeichneten Wikipedia-Artikel4, dem ich jetzt folge -

den einzelnen Menschen der Gegenwart zu schöpferischen Taten: Individuen, die Großes schaffen wollen, sich aber nicht sicher sind, ob dieses überhaupt machbar sei, können ihren Blick in die Vergangenheit richten. Wenn sie dabei feststellen, dass Großes schon einmal möglich gewesen ist, so ist dies ein Indiz dafür, dass es auch in Zukunft wieder möglich sein wird. Diese Erkenntnis spendet Kraft und nimmt den Selbstzweifel, welcher schöpferischen Taten im Wege steht.

Allerdings stellt die monumentalische Historie die „Effecte“ in den Vordergrund und vernachlässigt die Ursachen. Zudem verzichtet diese Art der Historie auf volle Wahrhaftigkeit. Durch eine Reduzierung der geschichtlichen Vorgänge wird es möglich, Analogien zwischen speziellen – zeitlich auseinander liegenden – Ereignissen und Vorgängen zu ziehen. Auf diese Weise kann Napoleon sich fühlen wie Alexander der Große oder Julius Caesar, und jeder eroberungslüsterne Politiker kann sein Maß an Napoleon nehmen. Eine Gefahr der monumentalischen Historie ist es, in die Nähe der Fiktion und der Mythologie zu geraten.

In Fortführung der Nietzsche-Idee kann man sagen, dass auch Medien eine monumentalische Funktion zukommt: Medien ermutigen durch die Geschichten, die sie erzählen, zu großen Taten, seien diese schöpferisch oder zerstörerisch, konstruktiv oder destruktiv. Das Motiv, entsprechende Medien zu gebrauchen: Man will etwas tun und braucht einen Ansporn dazu.

Einige Beispiele:

Man liest die Biographie eines Missionars und fühlt sich veranlasst, selbst in die Mission bzw. Entwicklungshilfe zu gehen.

Man beschäftigt sich eingehend mit dem Leben und Werk berühmter Architekten und studiert selbst Architektur.

Man hat sich fanatisch-religiöses Schrifttum am laufenden Band reingezogen und begeht in vermeintlicher Märtyrergesinnung ein Selbstmordattentat.

Nun zur 2. Art von Historie nach Nietzsche:

Die antiquarische Historiegehört (…) dem Menschen als dem „Bewahrenden und Verehrenden“. Sie dient dazu, menschliche Kollektive der Gegenwart – Völker, Städte, Geschlechter – in eine Kontinuität zu ihrer Vergangenheit zu setzen. Sie verbreitet ein „einfaches rührendes Lust- und Zufriedenheitsgefühl“, indem sie „auch die minder begünstigten Geschlechter und Bevölkerungen an ihre Heimat und Heimatsitte anknüpft“. Sie gibt einem Menschen oder einem Volk „das Glück, sich nicht ganz willkürlich und zufällig zu wissen und […] in seiner Existenz entschuldigt, ja gerechtfertigt zu werden“.

Aber auch die antiquarische Historie hat eine Kehrseite: Da alles miteinander verwoben zu sein scheint, wird bei einem Übermaß an antiquarischer Betrachtung die gesamte Vergangenheit als wertvoll angesehen. Alles Vergangene gilt bereits als großartig, nur weil es einst existiert hat. Es findet eine Nivellierung statt, da alles wahrhaft Besondere zwischen der nur scheinbar wichtigen Masse von Historie nicht mehr sichtbar ist. Die antiquarische Historie droht daher einerseits zu einer „blinde[n] Sammelwuth“ zu entarten, andererseits alles Neue zu untergraben, nur noch zu „bewahren“ anstatt zu „zeugen“.

Antiquarische Historie betrachtet Geschichte gewissermaßen nach Art eines Heimatmuseums. Zur Paraphrase der Vokabel „antiquarisch“ können also die Begriffe „detailversessen, vergangenheitsverhaftet, sammelwütig, buchstabenhörig“ verwendet werden.

Auch Medien haben eine antiquarische Funktion, insofern sie Menschen bewahrende und verehrende Gefühle einpflanzen. Das Motiv, Medien mit antiquarischer Schlagseite zu gebrauchen: Man will eine große Vergangenheit, einen sicheren Boden, auf dem man sich bewegt oder steht, man will befriedigt zurückschauen und sich als Zwerg auf den Schultern von Riesen ausruhen. Die Kronen-Zeitung zum Beispiel macht unentwegt auf Österreich-Patriotismus und Vermittlung eines Wir-Gefühls nach dem Motto „Heimat, bist du großer Söhne“. Österreichische Wissenschaftler kommen zu Wort; österreichische Politiker garantieren die Sicherheit unserer Pensionen, unserer Stromversorgung und unserer Grenzen; unsere Wintersportler promoten Österreichs Image im Ausland. All diese Informationen lassen den Leser rein gar nichts tun – außer, sich auf dem Weg der Lektüre, des Medienkonsums, ein wohliges Lust- und Zufriedenheitsgefühl zu verschaffen.

Ein letzter Schwenk zu Nietzsche und zum Wikipedia-Artikel:

Die kritische Historiegehört schließlich dem Menschen als dem „Leidenden und der Befreiung Bedürftigen“. Laut Nietzsche überprüft sie die Erinnerungen eines Volkes auf zu stark belastende Inhalte, welche seine Entwicklung hemmen könnten, und beseitigt diese gegebenenfalls. Sie dient gewissermaßen als Korrektiv für die beiden anderen historischen Funktionen. Ihr einziges Kriterium ist, ob eine Vergangenheit der Vitalität eines Volkes dienlich ist oder nicht. Nietzsche denkt dabei an die beiden Pathologien der monumentalischen und antiquarischen Historie, also einerseits blindes Begehren von Effekten und andererseits übermäßige Vergangenheitsfixiertheit. Die Lebensfähigkeit menschlicher Gemeinschaften soll durch die kritische Historie erhalten werden, indem schädliche Erinnerungen vergessen werden.

Wiederum ist aber die kritische Historie nicht ungefährlich für den Menschen. Denn letztlich ist, so Nietzsche, nichts wert zu existieren: und „mit dem Messer an seine Wurzeln“ zu gehen ist immer ein gefährlicher Prozess, da „wir nun einmal die Resultate früherer Geschlechter“ und damit auch „ihrer Verirrungen, Leidenschaften und Irrthümer, ja Verbrechen“ sind. Es muss immer „eine Grenze im Verneinen“ geben, damit das Leben nicht in Gefahr gerät.

Im Anschluss an die Nietzsche-Idee von der kritischen Historie liegt die kritische Funktion der Medien auf der Hand. Medien entlarven mit ihren Geschichten Missstände und Änderungsbedürftiges in einer Gesellschaft. Sie decken Ungerechtigkeiten auf, bringen Licht ins Dunkel der Unwissenheit und des Aberglaubens. Die Medien fungieren als Aufklärungs-Maschine. Das Motiv, speziell kritische Medien zu gebrauchen: Man will sich nicht für dumm verkaufen lassen und auf der Höhe der Zeit sein. Ein klassisches österreichisches Beispiel dafür ist das Nachrichtenmagazin „profil“. Ein Problem für jene Menschen, die hauptsächlich solche Medien konsumieren, könnte sein, dass sich mit der Zeit Misstrauen, Unzufriedenheit und Zynismus als Grundhaltungen einprägen.

Oder?

Das wäre bereits zu diskutieren.

Die lebenspraktische Frage im Anschluss an Nietzsche lautet:

Wann und inwiefern sind die medienvermittelten Geschichten aus dem Leben anderer unserer Aufmerksamkeit wert?

Das ist jedenfalls meine Grundfrage in Bezug auf Medien.

Gegen Ende meines Referats möchte ich noch knapp dem Titel unseres heutigen Abends Rechnung tragen und ein Stück Götzenpolemik betreiben.

4. Medien machen Religion

Martin Luther hat in seinem Großen Katechismus zum ersten der Zehn Gebote, das er wiedergibt mit „Du sollst nicht andere Götter haben,“ folgenden berühmt gewordenen Satz formuliert:

„Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.” 5

Medien, die täglich unsere Aufmerksamkeit bekommen, haben für uns eine religiöse Dimension. Alles, was unsere Zeit und unsere Energie bekommt, hat eine religiöse Bedeutung. Wenn wir den Geschichten aus dem Leben anderer auf immer wiederkehrende, quasi ritualisierte Weise unsere Zeit schenken, sind sie Gegenstand unserer Religion. Daher ist die Frage „Wann und inwiefern sind die Geschichten aus dem Leben anderer unserer Aufmerksamkeit wert?“ auch eine religionskritische. Eine kritische Anfrage an unsere eigene religiöse oder quasi-religiöse Praxis.

Ein Prophet vom Schlage eines Jesaja würde uns Kindern des Medienzeitalters vermutlich vorwerfen, dass wir falschen Göttern nachliefen. Über das Volk Israel hat Jesaja geklagt: „Sein Land ist voll von Götzen. Alle beten das Werk ihrer Hände an, das ihre Finger gemacht haben.“ (Jes 2,8)

Was uns im Internet entgegenleuchtet, entgegenblinkt und entgegenflimmert, bindet zumindest unsere Aufmerksamkeit – und bei sehr vielen Menschen auch die finanziellen Ressourcen.

Schon bei den alttestamentlichen Propheten ist Götzendienst nie nur eine Privat-Angelegenheit des persönlichen Kult-Geschmacks, sozusagen beim Beten im stillen Kämmerlein. Die Propheten haben ihre Götzenpolemik immer im Zusammenhang mit harscher Kritik an sozialen Missständen gebracht. Die Götzendiener betreiben nicht nur unrechtmäßige Kulte. Sie sind auch korrupte Diebesbanden, die sich keinen Deut um die Rechte der sprichwörtlich gewordenen Witwen und Waisen kümmern. Sie schrecken vor Mord nicht zurück, wenn es um ihre Interessen geht (vgl. Jes 1,21-23). Immer geht der falsche Kult mit ungerechtem sozialen Verhalten einher. Im Extremfall fordern die falschen Götter Menschenopfer. Beim Propheten Jeremia (32,35) finden sich ebenso wie in den Gesetzestexten des Buches Levitikus (18,21; 20,2-5) scharfe Verurteilungen von Kinderopfern für den Gott Moloch. Es braucht nicht sehr viel Um-Interpretation dieser biblischen Texte, wenn man sie heute etwa auf die Produktion von Kinderpornographie anwendet.

Für heutige soziale Gepflogenheiten frage ich – auch mit Bezugnahme auf die das Medium Bibel oder besser, die Mediensammlung der kanonischen Schriften: Welche Medienkultur ist lebensfreundlich, und welche ist lebensfeindlich?

Ich meine, dass die Lebensfeindlichkeit eines übergroßen Hangs zum Medialen nicht erst in Extrembeispielen wie der Kinderpornographie spürbar wird. Um zwei weniger krasse Beispiele zu nennen: Erstens habe ich es bedauert, in Diskussionen mit einem Bekannten wiederholt erleben, dass seine politischen Ansichten offensichtlich eins zu eins aus der „Kronenzeitung“ stammten. Und zweitens habe ich es schon bei sehr vielen Messbesuchen bedauert, wenn der Priester bzw. Prediger oder die Predigerin als Auslegung des Evangeliums nichts anderes gebracht hat als die Baukasten-Sätze aus irgendwelchen Predigtbehelfen oder Bibelkommentaren.

5. Schluss: Medien als logische Konkurrenten der Kirchen

Würde Christus, heute lebend, die Zeitung lesen statt zu beten?

Ich glaube nicht. Mein diesbezüglicher Nicht-Glaube betrifft das Wort „statt“. Meiner Erfahrung nach ist Zeitungslektüre tendenziell ein Mittel zur Zerstreuung.

Beten aber soll sammeln, die Aufmerksamkeit bündeln. Das gilt meiner Meinung nach für ziemlich alle Formen des Gebets. Für das Sprechen von vorformulierten Gebeten wie für das freie mündliche Gebet, für die Meditation von Bibelstellen wie für wortlose christliche Kontemplation bzw. Meditation nach fernöstlichen Methoden.

In einem wesentlichen Punkt haben die Medien den Kirchen gegenüber allerdings einen Konkurrenzvorteil: Sie besitzen die Wort-Führerschaft. Insofern sie die Themen vorgeben und bestimmen, worüber gesprochen wird, haben sie einen wort-mäßigen Vorsprung – einen logischen Vorsprung, wenn man so will.

Im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit haben sie die Nase vorn. Da schauen die Kirchen recht alt aus. Die Medien keine sind keine Meditationsmittel. Sie sind keine Gebetshilfen und kein Gebetsersatz. Aber sie können unterhalten.

Da stellt sich wieder die Frage: Wie viel Unterhaltung brauchen wir, und welche?

Schon wieder eine Diskussionsfrage.

Damit wir dazu auch noch kommen, höre ich jetzt auf.

1Anthony de Mello, Warum der Vogel singt. Geschichten für das richtige Leben, Herder Freiburg – Basel – Wien 7. Auflage 1989, 33f.

2Dorothee Sölle, Atheistisch an Gott glauben. Beiträge zur Theologie, dtv München 3. Auflage 1994, 94.

3Friedrich Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen – Zweites Stück – Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, in: ders, Werke in drei Bänden, Band 1, Könemann Köln 1994, 153-244.

4http://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Nutzen_und_Nachteil_der_Historie_für_das_Leben

5http://www.ekd.de/bekenntnisse/luthers_grosser_katechismus.html

Bibel, Länderabend, Uncategorized, Wandern

Denkwürdige Reise nach Albanien

18. Februar 2010

 Linzer Notizen zur KHJÖ-Februarexkursion 2010

SO 7. FEB: Graz

Eine Busreise von Graz nach Shkodra in Nordalbanien ist lang. Für uns neun Linzer ExkursionsteilnehmerInnen ist schon die Zugreise nach Graz ein ausgiebiger Vorgeschmack. Von der KHG Linz bis zur Leechkirche der Grazer KHG sind wir fünf Stunden unterwegs. Während der Messe mit Alois Kölbl und Markus Schmidt SJ ist es kalt. Wir wissen noch nicht, dass die Kälte in Albanien nahezu ein Dauerzustand sein würde.

Nach dem von der KHG Graz organisierten Erdäpfelgulasch beladen wir den Bus nicht nur mit unserem durch Schlafsäcke und Isomatten recht umfänglichen Gepäck sondern auch mit Spielzeug und Kleidung für albanische Kinder.

Unsere beiden Busfahrer Franz und Paul chauffieren uns bei zeitweise sehr winterlichen Bedingungen wie Schneefahrbahn und starkem nächtlichem Eiswind durch Slowenien und Kroatien bis an die Dalmatinische Küste.

MO 8. FEB: Dubrovnik – Shkodra

Der Dompfarrer von Dubrovnik empfängt uns um 9 Uhr zum Frühstück, zeigt uns „seine“ Domkirche und vertraut uns anschließend einem sehr kompetenten deutschsprechenden Stadtführer an, der uns in Kürze und gewürzt mit allerlei Andekdoten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt zeigt – bei prächtigem Wetter. Dann gibt’s sogar noch ein Burek-Mittagessen im Pfarrhof. Wir fahren weiter über Montenegro zum albanischen Grenzübergang Hani i Hoti.

Alter Stadtplan von Dubrovnik

Alter Stadtplan von Dubrovnik

Abends kommen wir in Shkodra an. Unser Quartier ist bei den Schulschwestern im Stadtzentrum, die ein ziemlich neues Haus bewohnen.

Die gastfreundlichen Schwestern laden uns zum Abendessen ein. Nach einer kurzen Vorstellrunde nebst Kennenlern-Spiel gehen wir relativ zeitig ins Bett. Die Zimmer sind freundlich eingerichtet, jedoch feucht. Bei unserer Ankunft sind die Heizkörper leicht temperiert, in den nächsten regenreichenTagen bleiben sie kalt.

DI 9. FEB: Shkodra

Nach dem Frühstück besuchen wir zuerst eine mit österreichischen Mitteln errichtete Schule, eine Art HTL, in der vorwiegend auf Deutsch unterrichtet wird. Geführt werden wir von einem österreichischen Lehrer, dessen Gattin die Direktorin der Schule ist. Die nächste Station ist der Stephansdom, die Stadtkathredrale von Shkodra, die während der kommunistischen Herrschaft als Sporthalle verwendet wurde. Das Mittagessen bekommen wir in einem gemütlichen Restaurant, dessen Gewinne für soziale Zwecke verwendet werden. Unser Führer in Shkodra, Don Genc Tuku, Verantwortlicher des Kolpinghauses Albanien, begleitet uns anschließend zum Germanistikinstitut der Universität, wo uns die Institutsvorständin und ein österreichischer Lektor empfangen. Wir diskutieren angeregt mit den Deutschstudierenden. An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät kommt es nur zum Austausch mit dem Vizerektor der Uni. Unsere albanischstämmige Exkursionskollegin Kordelia, genannt Kordi, übersetzt, was sie in den kommenden Tagen noch oft tun wird. Die sehr modisch gestylten Wirtschaftsstudentinnen bleiben schweigsam.

Besuch am Germanistikinstitut in Shkodra

Besuch am Germanistikinstitut in Shkodra

Ein Teil der Gruppe besucht dann ein schickes Restaurant-Cafe mit Aussichtsterasse, in dem offensichtlich nur gutsituierte Shkodraner sitzen. Wir tun das zum Aufwärmen und Zeitüberbrücken, denn es ist kalt und regnerisch draußen und das Abendessen in einem rustikalen Gasthaus mit offenen Kaminen ist erst um 19.00 Uhr angesetzt. Dort essen wir gut und reichlich, mit Livemusik-Begleitung. Clemens Schwingshackl bekommt ein Geburtstagsständchen und muss sich dazu eine Widderkopfmaske, ein Symbol des Nationalhelden Skanderbeg aufsetzen.

MI 10. FEB: Shkodra

Nach dem Frühstück besuchen wir das Haus der Klarissen. Eine Schwester empfängt uns in der Kapelle und erklärt uns unter anderem den von Gebet und Arbeit geprägten Tagesablauf im Kloster. Das Haus war während des Kommunismus ein berüchtigtes Untersuchungsgefängnis, in dem Gefangene systematisch gefoltert und zum Teil auch ermordet wurden. Ein pensionierter Tierarzt schildert uns eindringlich die Verfolgung und Ermordung von Geistlichen im offiziell atheistischen Albanien zwischen 1944 und 1990. Die ehemaligen Gefängniszellen in einem gesonderten Trakt des Hauses werden gerade renoviert und als Gedenkstätte hergerichtet.

Sehr kalt wird es wieder im Historischen Museum der Stadt, weswegen die Ausführungen des Museumsleiters zu den Exponaten aus den verschiedenen Epochen der Besiedelung Shkodras seit der Zeit der Illyrer nur bedingt unsere Aufmerksamkeit finden. Am ehesten können wir uns noch für die historischen Trachten im ersten Stock des malerischen Hauses erwärmen.

Den ursprünglich geplanten Gang zur Burg Rozafa sparen wir uns wegen des massiven Dauerregens. Don Genc führt uns in ein Fischrestaurant am Ufer des Skutari-Sees. Anschließend bringt uns der Bus noch an eine im Sommer gern besuchte Seepromenade, wo wir uns ein wenig die Beine vertreten. Im Regen und mit den Spuren des letzten Hochwassers, darunter sehr viel Plastikmüll, sehen die Gebäude dort wenig einladend aus. Bei einigen Ruinen weiß man nicht recht, ob die Häuser jemals in Betrieb waren oder ob sie nach anfänglichen Baufortschritten schon unfertig wieder dem Verfall preisgegeben wurden. Ein recht häufiges Phänomen entlang der albanischen Straßen, die wir befahren.

Nach einer kurzen Erholungspause in unserem Quartier bei den Schulschwestern machen wir, immer im strömenden Regen, einen Abstecher zu einer Betreuungseinrichtung für behinderte Kinder, die von den Missionarinnen der Nächstenliebe, dem Orden der Mutter Teresa betrieben wird. Da wir irrtümlich eine Stunde später dran sind als vereinbart, fällt der Besuch kurz aus. Das Haus wirkt ärmlich und einigermaßen überbelegt.

Im Priesterseminar von Shkodra zeigt uns der Vizeregens die Einrichtungen seines Hauses, unter anderem die Bibliothek, die von theologischer und philosophischer Literatur in Italienisch dominiert wird. Albanische Bücher sind eher selten. Anschließend feiern wir gemeinsam mit den Seminaristen und einigen Ordensschwestern die Messe. Kordi übersetzt uns die Predigt des Vizerektors. Beim Singen wechseln wir uns ab: Einmal stimmen die Schwestern albanische Lieder an, einmal singen wir die Taizé-Gesänge aus unserem Notenheft.

Im Kolpinghaus werden wir dann ausgiebigst bewirtet. Dazu spielen einige sehr gute Musiker flotte Tanzmusik. Zwischen den Gängen eines Mahles zu tanzen, dürfte in Albanien üblich sein. Einige von uns lassen sich nicht lange bitten, andere schon. Jugendliche machen eine selbstchoreographierte Tanzeinlage, einen Bauchtanz und etwas Volksmusik mit Akkordeon und Gitarre. Die Kolpingfamilie ist mit zahlreichen Mitgliedern zum Essen gekommen. Der neben mir sitzende Erziehungswissenschafter von der Uni äußert sich abfällig über die Bauchtanzdarbietung, die nicht in die albanische Kultur passe. Dafür schwärmt er von Wien und von österreichischen Museen, die er besucht hat.

Die Gruppe singt ein albanisches Lied

Die Gruppe singt ein albanisches Lied

Leider müssen wir sehr überstürzt das Fest verlassen: 22.00 Uhr war die spätestmögliche Zeit, die Alois Kölbl mit den Schulschwestern für unsere Heimkehr aushandeln konnte. Zum Abschied singen wir noch das albanische Kinderlied vom kleinen Lamm, das uns Kordi schon während der Busfahrt durch Montenegro beigebracht hat.

DO 11. FEB: Vau Dejes – Tirana

Auf der Fahrt nach Vau Dejes zeigt uns Don Genc eine Kirche, deren Vorgängerbau aus dem 19. Jahrhundert die Kommunisten einfach gesprengt hatten. Die Kirche sieht wieder ungefähr so aus wie das Original, aber von der gotischen Kapelle daneben sind nur noch die Grundmauern zu sehen. Um 9.00 Uhr ist ein Treffen mit Bischof Don Lucian Avgostini von Sappa angesetzt. Der Bischof betont im Gespräch das gute Klima zwischen den Religionen und Konfessionen in Albanien, namentlich zwischen Katholiken, Muslimen und Orthodoxen. Die Religion sei hier eben nicht die Quelle von Feindseligkeiten, im Gegenteil.

Bei der Messe in der neu erbauten Bischofskirche, die der neuen albanischen Nationalheiligen Mutter Teresa geweiht ist, frieren wir wieder ganz ordentlich. Während der Bischof anlässlich des heutigen Gedenktages von Lourdes, an dem sehr viele Leute einschließlich etlicher Kranker und Behinderter die Kirche füllen, ausgiebig über das Beispiel der Mutter Teresa predigt, machen wir Zehen- und sonstige dezente Gymnastik. SängerInnen und Instrumentalisten bringen neue und alte geistliche Lieder zu Gehör, darunter eine sehr ungewöhnliche albanische Version des Schubert’schen „Wohin soll ich mich wenden“. Ungewöhnlich sind auch die großformatigen Wandgemälde, die in naturalistisch-symbolistischer Weise die in Nordalbanien immer noch existente Blutrache ebenso thematisieren wie die Christenverfolgungen durch Römer, Osmanen und Kommunisten oder das Rosenkranzgebet in einer albanischen Bauernfamilie.

Bild gegen Blutrache in einer albanischen Kirche

Bild gegen Blutrache in einer albanischen Kirche

Für das Mittagessen im benachbarten Gasthaus wären Schwestern vom Bergdorf Fushe-Arrez angekündigt gewesen. Leider haben sie es bei dem vielen Schnee nicht herunter geschafft. Ihr Kollege Don Andreas, ein deutscher Ordensmann, erzählt einigen aus unserer Gruppe von der mühsamen Arbeit für die Bevölkerung der Bergdörfer, die unter den derzeitigen Witterungsbedingen tatsächlich Hunger zu leiden hätte, wenn nicht die Kirche Hilfe organisieren würde. Ein Zweck des Einsatzes von Don Andreas und den Schwestern sei es, die Leute zum Bleiben in den Dörfern zu motivieren. Ein Abwandern in die Städte würde dort nur zur Vergrößerung der dortigen Slums führen.

Auch bei diesem Essen wird zwischen den Gängen getanzt, diesmal aber zu lautstarker Konservenmusik. Auch einige behinderte Menschen werden in den Tanz miteinbezogen.

Auf der Fahrt nach Tirana machen wir noch einen Stopp bei einer lehrlingsausbildenden Tischlerei, die viele Kirchenaufträge ausführt. Es schüttet wieder wie aus Kübeln. Wir wundern wir uns über die sagenhaft großen Schlaglöcher auf der über weite Strecken in Ausbau befindlichen Straße.

In Tirana besichtigen wir zunächst das Don Bosco Zentrum: Eine Schule mit Internat, ein Kommunitätsgebäude und eine große, neue und sehr freundliche Kirche. Dort beeindruckt vor allem ein großes Christus-Bild aus Muscheln, in das zahlreiche Symbole eingearbeitet wurden. Nach einer ausgiebigen Führung durch den Pfarrer und einem gemeinsamen „Confitemini Domino“ verlassen wir die Kirche und fahren zu unserem Quartier bei den Jesuiten. Im Dunkeln sieht das große Haus schlossartig aus. Es ist aber eine Baustelle, die in wesentlichen Teilen noch nicht viel über den Rohbau hinausgekommen ist. Im endgültigen Bauzustand soll hier eine Schule für Kinder aus armen Familien untergebracht werden. Derzeit ist anscheinend nur ein eingeschränkter Betrieb für Kindergartenkinder sowie für Jugendlager im Gang. Genaueres erfahren wir nicht, weil wir unsere Quartiergeber kaum zu Gesicht bekommen. Wir belagern einen immerhin geheizten Schlafsaal im zweiten Stock. Die Priester kommen in separaten Räumen unter, die recht klein sind, wie sie uns versichern. Gewöhnungsbedürftig ist das Ambiente, in dem wir frühstücken: In einem muffigen Kellerraum unter dem Rohbauteil haben wir staubige Gartenmöbel aufgestellt. Warmduscher haben es in dieser Unterkunft schwer. Das Wasser in den für uns ÖsterreicherInnen merkwürdigen kombinierten Dusche-und-WC-Kabinen ist durchwegs eiskalt.

FR 12. FEB: Tirana

An der Uni Tirana treffen wir die Soziologieprofessorin Marita Poni, die auch Gemeinderätin der Demokratischen Partei des 1. Bezirks Tiranas ist. Sie führt uns in einen repräsentativen Hörsaal, in dem sie sich zusammen mit der Bezirksvorsteherin von der Sozialdemokratischen Partei, mit einem demokratischen Parlamentsabgeordneten und einem Sprecher der Uni an ein Podium setzt. Alle vier erklären uns vorwiegend auf Englisch einiges Wissenswerte über die Probleme und Fortschritte der albanischen Politik. Sie sind alle sichtlich bemüht, Optimismus zu verbreiten und einen positiven Eindruck zu erwecken und wirken umso gestresster, je länger das Gespräch und vor allem unsere anschließenden Fragen dauern.

Politiker aus Tirana

Politiker aus Tirana

Nach der gut zweistündigen Unterredung nützen einige von uns die Mittagspause, um direkt im Uni-Gelände im Fast-Food-Restaurant „Kolonat“ einzukehren. Wir finden es witzig, dass „Kolonat“ sowohl im Angebot als auch in der Aufmachung bis hin zum Schriftzug und zum Logo ein plumpes Imitat von „Mc Donald’s“ ist. Das Essen ist leidlich und für albanische Verhältnisse nicht billig. Für uns schon. Ein Cheeseburger mit Pommes frites und Cola kostet 350 Lek, das sind etwa 2,50 Euro.

Einige Unbeirrbare unserer Gruppe wagen nach dem Essen einen Bummel durch die Innenstadt von Tirana, obwohl es ohne Unterbrechung regnet.

Die anderen haben einen Nachmittagstermin bei der jungen Oppositionspartei G 99, die ihr Parteilokal in einer umfunktionierten Wohnung hat. Der Parteivorsitzende Erion Veliaj erzählt uns, dass seine Gruppe sich aus einer überparteilichen Protestplattform herausentwickelt hat zum Versuch, eine echte Alternative zu den etablierten Politikern zu bieten. Dass er von denen nicht viel hält, wird aus seinen Statements recht deutlich. Allerdings kommt er gänzlich ohne Beschimpfungen aus und behält stets einen freundlichen Ton bei. Er wirkt wesentlich entspannter als die PolitikerInnen vom Podium am Vormittag.

Unsere nächste Gesprächspartnerin ist Dr. Dolly Wittberger, Gender Expert des Austrian Coordination Office for Technical Cooperation. Sie klärt uns in ihrem Büro über „Gender Equality and Local Governance in Albania“ auf. Was am Anfang noch recht sperrig und bürokratieverdächtig klingt, wird dann durch Beispiele anschaulicher. Frau Wittberger spricht mit Bürgermeistern und Lokalpolitikern nicht nur über Frauengleichstellung und Vermeidung häuslicher Gewalt, sondern auch über Müllentsorgung oder den Bau von Toiletten in öffentlichen Einrichtungen und Schulen. Sie liebt Albanien und lebt gerne hier. Die Landessprache hat sie mittlerweile gut gelernt.

Gleich neben Frau Wittbergers Büro fallen wir zu fünfzehnt unangemeldet in eine gar nicht so große Pizzeria ein. Der Wirt, der erstaunlich gut deutsch spricht, bleibt freundlich und stressfrei. Bis wir die Pizzen bekommen, dauert es zwar eine Weile, dafür sind sie wirklich sehr schmackhaft. Und mit dem albanischen Rotwein, der wie meistens in dieser Woche sehr gut trinkbar ist, lässt sich die Wartezeit schön aushalten.

SA 13. FEB: Tirana und Kruje

Der morgentliche heftige Regen geht allmählich in nicht minder heftigen Schneefall über. Im Projekt ASIRIS betreuen Sozialarbeiter und ehrenamtliche Helfer Straßenkinder, vorwiegend Roma. Der Projektleiter erzählt uns von seiner Arbeit in dem Haus, in das die Kinder täglich in ihren Anliegen kommen: weill sie sich duschen wollen, etwas zu essen haben wollen, Kleidung brauchen etc. Einem Kind das Bedürnis beizubringen, sich die Zähne zu putzen, ist hier ein Erfolg.

Verkehr in Tirana

Verkehr in Tirana

In der Mittagszeit kommen ein paar Sonnenstrahlen heraus – für manche von uns eine willkommene Gelegenheit, für ein, zwei Stunden auf eigene Faust durch Tirana zu streifen. Die Stadt ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Es wird auch nach wie vor heftig gebaut. Die Geschäfte sind in aller Regel winzig bis höchstens mittelgroß, und man hat den Eindruck, dass es häufig mehrere von der gleichen Sorte dicht nebeneinander gibt: Zum Beispiel wandere ich durch eine Straße mit einem Sitzmöbelladen neben dem anderen. Ich wundere mich, wie viel klobige, hässliche Sofas und Fauteuils auf unserer Welt produziert werden. An Verbrauchsgütern aller Art scheint in Albanien kein Mangel zu herrschen. In den unzähligen Läden, Auslagen und Ständen wirkt die Warenfülle ebenso aufdringlich wie der Müll an den Straßenrändern. Wie leicht sich der Durchschnittsalbaner seine nötigen Konsumartikel leisten kann, ist eine andere Frage. Das monatliche Pro-Kopf-Einkommen liegt irgendwo bei einigen hundert Euro – halb so viel wie im immerhin an Kriegsfolgen leidenden Bosnien.

Am Nachmittag ist noch ein Gespräch mit dem Weihbischof von Tirana angesetzt, in einem Gemeinderaum unterhalb der neuen Kathedrale. Der Bischof, ein Dominikaner und gebürtiger Malteser, betont, dass der Kommunismus in Albanien nicht sich nicht bloß atheistisch, sondern vielmehr anti-religiös gebärdet hat. Und abermals hören wir vom guten Einvernehmen zwischen den Religionen und Konfessionen.

Dann steigen wir wieder in unseren Reisebus und verlassen Tirana. Auf dem Weg Richtung Norden machen wir Station in der alten Bergstadt Kruje. Wir gehen durch den im Sommer sicher von vielen Touristen bevölkerten, heute aber nahezu menschenleeren Basar hinauf zur Burg, von der aus im 15. Jahrhundert der Nationalheld Skanderbeg Abwehrkämpfe gegen die Osmanen geführt hat, die lange Zeit erfolgreich blieben. Dem Skanderbeg ist auch das relativ modern gestaltete Museum im Burginneren gewidmet. Der Abend klingt in einer Pizzeria gleich neben der Burg aus. Einen besonderen Anlass zum Feiern haben Übersetzerin Kordi und ihr Freund Thomas: Sie werden nicht mit uns nach Graz zurückfahren, sondern sich am nächsten Tag in Kordis Heimatstadt Shkodra offiziell verloben. Wir singen „Viel Glück und viel Segen“. Alois spendiert noch eine Runde Raki, dann folgt die Nachtfahrt über Nordalbanien und Montenegro zurück an die dalmatinische Küste.

SO 14. FEB: Mostar und Sarajevo

Die Fahrt an diesem Sonntag gestaltet sich hindernisreich. Zuerst müssen die Busfahrer mitten in der Nacht auf einer Bergstraße knapp vor der bosnischen Grenze umkehren, weil es wegen des vielen Schnees ein Weiterfahren zu riskant wäre. Das bedeutet fast eine halbe Stunde lang Rückwärtsgang im Schritttempo über eine schmale verschneite Alleestraße. Am Morgen ist im kroatischen Küstenort Mlini bei Dubrovnik die Straße wegen eines Unfalls gesperrt. In einiger Entfernung sehen wir ein völlig zerstörtes Autowrack mitten auf der Straße und erfahren, dass bei dem Unfall zwei Menschen getötet wurden. Mit einer Wartezeit von 90 Minuten sei zu rechnen. Als die Busfahrer nach einiger Zeit gesagt bekommen, dass die Unfallstelle auch umfahren werden kann, ist ein guter Teil unserer Gruppe irgendwohin Kaffeetrinken gegangen. Bis wir endlich wieder abfahren, sind zwei Stunden vergangen.

Dennoch nehmen wir uns nach der Fahrt durch das Neretva-Tal zu Mittag Zeit, die bosnische Stadt Mostar zu besichtigen – einschließlich Fotosession auf der berühmten steinernen Neretva-Brücke, die im Bosnienkrieg zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde. Im Bus klärt uns Thomas Moik über den Krieg, seine Ursachen und seine Folgen auf.

Neretva-Brücke in Mostar

Neretva-Brücke in Mostar

Als wir mit etlichen Stunden Verspätung in der verschneiten bosnischen Haupstadt Sarajevo ankommen, landen wir zunächst beim falschen Studentenheim. Es dauert wieder einige Zeit, bis wir das richtige Quartier, eine kath. Schule mit angeschlossenem Internat, gefunden haben.

Nachdem schon die ursprünglich anvisierten Termine beim Erzbischof und beim Caritas-Direktor ausfallen mussten, kommen wir auch noch zu spät zum Gespräch mit dem Hohen Repräsentanten der UNO für Bosnien-Herzegowina. Ein Teil der Verspätung ist auch dem zeitaufwändigen Gang durch die Sicherheitsschleusen zuzuschreiben. Valentin Inzko lebt gefährlich und ist ein vielbeschäftigter Mann als oberster Machthaber und Vermittler in dem immer noch von Konflikten zwischen den Entitäten der Kroaten, Bosniaken und Serben geprägten Land. Dennoch nimmt er sich zwei Stunden lang Zeit für ein Gespräch, bei dem nicht zuletzt die tiefen Wunden, die der Krieg von 1992-95 geschlagen hat, zur Sprache kommen. Inzko betont u. a., wie wichtig es für die Menschen sei, dass ihre bei Massakern ums Leben gekommenen und damals vielfach in Massengräbern verscharrten Familienangehörigen ordentliche Begräbnisse bekommen. Die Toten zu bestatten, sei auch historisch gesehen der Beginn der menschlichen Kultur, ein wesentlicher Unterschied zum Tierreich.

Unsere vierte und letzte Verspätung an diesem Tag betrifft die Messe mit katholischen Studierenden aus Sarajevo in der Priesterseminarkirche, die wir nicht auf Anhieb finden. Immerhin schaffen es früher oder später alle von uns zur anschließenden Party in den Räumen der Hochschulseelsorge, bei der auch eifrig E-Mail-Adressen ausgetauscht werden. Möglicherweise werden einige bosnische Studierende zur für Christi Himmelfahrt geplanten Österreichischen Studierenden Stern-Wallfahrt nach Mariazell kommen.

Nach einer ruhigen Nacht im Internat, dessen Zimmer geheizt und dessen Duschen Warmwasser haben, sehr im Gegensatz zu unserem Quartier in Tirana, und einem Frühstück in einem auch dafür vorgesehenen Raum setzen wir uns in den Bus, der uns in etwa 8 Stunden über den serbischen Landesteil Bosniens und über Kroatien und Slowenien nach Graz bringt.

Robert Kaspar

KHJ

KHJ-Wochenende in Obertraun / Hallstättersee

10. November 2009

„Leib & Seel’“
„Body & Soul“
Freitag, 4. bis Sonntag, 6. Dezember 2009
Anmeldung bis Freitag, 27.11. im KHG/J-Büro

Programm (Änderungen möglich)

Freitag, 4. Dezember

12.40 Treffpunkt KHG-Foyer
12.48 Abfahrt Straßenbahn
13.11Ankunft Hauptbahnhof, Fahrkartenkauf Automaten
13.25 Abfahrt REX 3420
15.30 Ankunft Obertraun, Quartierbeziehen, kurzer Spaziergang
16.30 Teeverkosten, Teil 1, mit Julia Kleinhans
17.30 Impulse
„Die Lust am Aufstieg. Was den Bergsteiger in die Höhe treibt“
Buchvorstellung in gesellschaftskritischer Absicht
von Thomas Würthinger und Robert Kaspar
„Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt.“ Lauf-Erfahrungen
von David Schellander
19.00 Abendessen
20.00 Origami mit Michael Mayrhofer

Danach Offenes Abendprogramm.
Z B. Rückenmassage, Musikhören, Singen, Watten, Tarockieren, sonstige Spiele nach Lust und Laune

Samstag, 5. Dezember

FREIWILLIG:
7.00 Laufen und optionales In-den-Hallstättersee-Springen am hauseigenen Badeplatz
8.00 Allgemeines Aufstehen
8.15 Morgenlob
8.30 Frühstück
Danach je nach Wetter: Ostuferweg oder sonstige (kleine) Wanderung
Während der Wanderung Impuls von Thomas Würthinger: Zen-Habits
Jause oder Einkehren ins Wirtshaus
Ca. 16.00 Rückkehr und Kochen
17.00 Essen
19.00 Teeverkosten, Teil 2, mit Julia Kleinhans und
Biblischer Impuls von Robert Kaspar: „In meinem Element sein“.

Danach Offenes Abendprogramm:
Z. B. Brioche-Backen mit Robert Kaspar
Saturday Night in der neueröffneten Haifisch-Bar…

Sonntag, 6. Dezember (2. Adventsonntag)

FREIWILLIG:
7.30 Laufen und optionales In-den-Hallstättersee-Springen am hauseigenen Badeplatz
8.30 Allgemeines Aufstehen
8.45 Morgenlob
9.00 Frühstück mit Tee-Verkosten Teil 3 mit Julia Kleinhans
11.00 „SURVIWELLNESS“ Lebensentwürfe zwischen den Extremen.
Impuls von N.N.
12.00 Aufräumen
13.07 oder 14.29 Abfahrt Bhf Obertraun (Jausnen im Zug)
16.01 oder 17.01 Ankunft Linz Universität

Bitte mitnehmen:
Hüttenschlafsack (=sehr leichter Schlafsack) oder Bettwäsche, Hausschuhe, geländetaugliche Schuhe, Kleidung je nach Wetter
Was Du sonst zum Wohlfühlen brauchst
Ca. 10 Euro für Lebensmittel und Getränke (werden zentral eingekauft). Für KHJ-Mitglieder werden die Kosten für Fahrt und Unterkunft werden von der KHG übernommen.
Für Nicht-Mitglieder übernimmt die KHG die Quartierkosten.

Auf ein gemütliches und interessantes Wochenende freuen sich

Julia Kleinhans, Michael Mayrhofer, David Schellander, Thomas Würthinger und Robert Kaspar.

Advent, KHJ