Die Ferien gehen dem Ende zu

26. September 2011

Bald ist es soweit und das neue Semester startet und mit ihm das neue KHJ-Vorstandsteam. Wir freuen uns auf ein spannendes Studienjahr und dürfen gleich zum ersten Großevent einladen, dem Tag der Linzer Hochschulen!

Tag der Linzer Hochschulen: „Demokratie auf Russisch?“
Do. 13.10. / 19:30 / KHG-Galerie
Referentin: Dr.in Susanne Scholl, freie Journalistin, Schriftstellerin und Osteuropa-Expertin
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Forum St. Severin

Zusätzlich möchten wir darauf hinweisen das am 04.10. unsere wöchentlich stattfindende “Morgenmedidation” startet. Treffpunkt jeden Dienstag um 07:00 Uhr im Raum der Stille, dem interreligiösen Raum der KHG-Linz im Franz Jägerstätter Studierendenheim.

Am 19.10. findet um 20 Uhr der erste Universitätsgottesdienst im Studienjahr 11/12 statt.

Noch eine schöne letzte Ferienwoche und in Freude auf ein Wiedersehen,
das Vorstandsteam der KHJ

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Erfolgreiche Sammelaktion für Melitus Onongaya

5. August 2011

Die Sammelaktion der KHJ Linz für den ehemaligen “Kupfermuckn”-Verkäufer und zukünftigen Flughafen-Taxifahrer in der nigerianischen Stadt Enugu, Melitus Onongaya, hat insgesamt 13.000 Euro erbracht.

Melitus hat sowohl das für das Taxifahren notwendige Auto, einen gebrauchten Toyota Corolla, als auch den als Startkapital gedachten Differenzbetrag von 8.000 Euro schon erhalten. Den Führerschein hat er auch schon gemacht. Jetzt übt Melitus an seiner Fahrpraxis.

In seinem Namen sagt die KHJ Linz allen SpenderInnen und Spendern ein herzliches DANKE!

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Die KHJ Linz wünscht erholsame Sommerferien

1. Juli 2011

Wir wünschen allen Studierenden erholsame, sonnige und fruchtbringende Sommerferien.Entspannen und Energie tanken am Strand mit Mountainbike!

Der erste KHJ Gottesdienst findet voraussichtlich am 1. Sonntag im Oktober um 22 Uhr im Raum der Stille statt.  Nähere Informationen zum Sommerprogramm der KHJ und KHG findest du unter www.khg-linz.at!

Frohe Ferien

das Team der KHJ-Linz

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KHJ Linz Website mit Facebook und Twitter verlinkt

1. Juli 2011

Ab sofort könnt ihr Artikel und Berichte, welche euch besonders gut gefallen, Freunden und Followern in Facebook und Twitter empfehlen! Dazu müsst ihr einfach auf Gefällt mir oder das Twitter Symbol über dem Bericht klicken.

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Starthilfe für Melitus Onongaya in Enugu – Auto ist finanziert!

18. Februar 2011

Melitus Onongaya wird nach Nigeria zurückkehren.

Der allseits bekannte und beliebte Kupfermuckn-Verkäufer, der seit fünf Jahren sechs Tage pro Woche bei jedem Wetter am Standort vor der Thalia-Filiale in der Landstraße arbeitet, wurde vom Asylgerichtshof in Wien aus Österreich ausgewiesen. Den unsicheren Weg einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof will Melitus nicht mehr gehen. In seine unmittelbare Heimat im Südosten Nigerias zurückzukehren, wäre lebensgefährlich. Wegen lokaler Unruhen dort, die unter anderem durch die Aktivitäten des Ölkonzerns Shell ausgelöst wurden und bei denen ein Priester ermordet und Familienmitglieder verletzt wurden, ist Melitus im Jahr 2005 geflüchtet.

Jetzt sieht Melitus Chancen für sich, in der Provinzhauptstadt Enugu als Taxi-Fahrer Fuß zu fassen.

Für den dazu notwendigen Fahrzeugkauf hat er bereits 5000 Euro angezahlt, die er durch Fleiß und bescheidenste Lebensführung erspart hat. Bis vor kurzem haben ihm noch 5000 Euro gefehlt – 3000 davon für den Gebrauchtwagen (einen Toyota Corolla Baujahr 2005, den er in Nigeria in gutem Zustand nicht bekommen könnte), 1000 Euro für die Überstellung nach Nigeria, 1000 Euro für Zoll bzw. Abgaben. Für die geordnete Abwicklung des Autokaufs und -transfers sorgt der Priester Dr. Ignatius Emefoh, Leiter der Afrikanischen Gemeinde am Linzer Mariendom.

Dieser Betrag ist neuerdings (Stand 7. März) gesichert!

Seit Beginn der Spendenaktion Mitte Februar sind bereits über 5500 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen.

Melitus Onongaya, der in den letzten Jahren  im Flüchtlingszimmer der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) bewohnte und guten Kontakt zu den Studierenden im Franz-Jägerstätter-Heim hat, wird voraussichtlich am 24. März mit Unterstützung der Rückkehrhilfe der Caritas nach Lagos, Nigeria, fliegen und dann in die Provinzhauptstadt Enugu weiterreisen.

Weitere Unterstützung kann Melitus Onongaya aber durchaus brauchen:  Er kann zwar in der ersten Zeit bei einem ortsansässigen kath. Priester wohnen, muss sich aber innerhalb von 6 Monaten selber eine Wohnung suchen und finanzieren.

Es ist daher nach wie vor möglich,  Melitus Onongaya eine Starthilfe – über die Auto-Finanzierung hinaus – zukommen zu lassen:

Einzahlungen bitte auf das Konto- Nr. 35.942.184

„Sozialprojekt d. KHJ“

BLZ 34.000 (Raiffeisen Landesbank OÖ)

Bargeldspenden sind zu den üblichen Öffnungszeiten möglich im Büro der

Katholischen Hochschulgemeinde und Hochschuljugend,

Mengerstraße 23, 4040 Linz (Sekretärin Veronika Harrer).

khj SoPro

Schneeballschlacht am KHJ Wochenende

18. Januar 2011

Eine Gruppe Studierender verbringt ein Wochenende auf einer Hütte in den Bergen. Die jungen Menschen bringen Vorträge ein und diskutieren eifrig. Nach dem ersten großen Vormittagsblock verlassen sie die Herberge, um zu einer nahen Burgruine aufzusteigen und den Kopf ordentlich auszulüften. Die Sonne strahlt auf den über Nacht gefallenen Schnee, die klare kalte Luft brennt in den Lungen. Der nur wenige Minuten dauernde Aufstieg ist erfüllt von fröhlichem Geplauder, jeder geht sein Tempo.

Bereits erreichen die ersten einen verfallenen Vorturm, dessen verfallende Mauern zum Klettern einladen, wenn auch nicht zu hoch. Zu kalt sind die Steine, zu ungelenk die festen Winterschuhe. Nach den letzten Versuchen ist die Gruppe wieder vollzählig und man legt die letzten Schritte zur Hauptruine zurück.

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Über dem Burghof liegt tiefe morgendliche Ruhe. Beim Erkunden zerfällt die Gruppe in kleine Grüppchen, die sich über die gesamte Fläche verteilen. Und als sich auch noch diese auflösen, sieht man vereinzelt versteckte Schneebälle in den Händen aufblitzen.

Während eines Augenblicks verwandeln sich die eben noch Erwachsenen in ausgelassen tobende Kinder. Die Luft ist erfüllt von waagerecht einfallendem Schnee, nur über die Richtung ist sich noch niemand einig. Schnell ist ein gemeinsames Ziel gefunden, nämlich Max, der eine der Mauern des Burghofes erklommen hat. Bereits nach den ersten Treffern verfliegt die Einigkeit auch wieder, die Winde wehen aus den unterschiedlichsten Richtungen.

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Lassen wir doch den Blick ein wenig herumschweifen:

Zur rechten sieht man Robert, wie er, wasserdicht verpackt, versucht, sich an der Mauer entlang zum etwas entfernten und windstillen Aussichtspunkt zu schleichen.

Weiter Richtung Mitte steht Joe auf einer niedrigen Anhöhe und nützt den guten Überblick dort, um seine Schneebälle gerecht zu verteilen.

In der Mitte nun, zu ebener Erde, hat man Mühe, Martin in dem Schneegestöber um ihn herum auszumachen. Neben ihm wagt Kerstin einige präzise Schüsse, gesellt sich dann aber bald zu Robert am Aussichtspunkt.

Weiter links wälzen sich Thomas und Johannes im Schnee, wobei sich, wie durch ein Wunder, nur an Thomas‘ Mantel Schnee ansammelt. Wenig später jagt ein Schneemann Johannes vom Feld.

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Am linken Rand des Blickfelds sieht man noch Max, wie er verzeifelt versucht, möglichst schnell seine exponierte Lage hinter sich zu lassen.

Und immer wieder fliegen auch aus meiner Richtung Schneebälle ins Bild. Man kann doch nicht tatenlos zusehen…

Bald beruhigt sich der Schneesturm wieder, die lachenden Gesichter sammeln sich zum Rückweg. Den gröbsten Schnee aus der Kleidung schüttelnd steigt man wieder zur Herberge ab. Vereinzelt fliegen noch größere in den Händen verbliebene Schneereste, aber eigentlich ist der Blick schon wieder voll Spannung vorwärts gerichtet, auf die kommenden Beiträge und Gespräche in der Hütte.

khj Advent, Diskussionsveranstaltung, KHJ

Medien machen Religion. Der tägliche Kampf um die Aufmerksamkeit

17. Januar 2011

Am Montag, dem 10. Jänner 2011 nahmen der Theologe Dr. Helmut Eder von der KTU Linz, KHJÖ-Vorsitzender  DI Thomas Würthinger und ich bei einer Abendveranstaltung in der KHG-Galerie die Gelegenheit wahr, Überlegungen zum KHJ-Jahresthema “ReligionMachtMedien” vor gut 25 TeilnehmerInnen vorzutragen und anschließend mit ihnen zu diskutieren. Während Helmut Eders Ausführungen vor allem der “Ökonomie der Aufmerksamkeit” nach Georg Franck und den von Pierre Bourdieu geprägten Begriffen des Ökonomischen, Sozialen, Kulturellen und Symbolischen Kapitals galten und Thomas Würthinger unter anderem neue Entwicklungen rund um das Internet-Phänomen “Facebook”  thematisierte, ging es mir in erster Linie um den Nutzen und Nachteil der Medien für das Leben – im Anschluss an die im Titel ähnlich lautende Zweite Unzeitgemäße Betrachtung Friedrich Nietzsches von 1874.

Mein Referat sei hier in voller Länge wiedergegeben – in der Hoffnung, dass es auch über den Veranstaltungstag hinaus noch Anstoß zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren gibt.

Robert Kaspar

Medien machen Religion. Die logischen Konkurrenten der Kirchen

1. Die Unausweichlichkeit der Medien

Ich beginne mit einer Geschichte:

Der Zen-Meister Mu-nan weiß, dass er bald sterben wird und dass er nur einen wirklichen Nachfolger hat, seinen Schüler Shoju. Mu-nan lässt seinen Schüler Shoju holen und sagt ihm: „Ich bin nun ein alter Mann, Shoju, und du wirst diese Lehre weitergeben. Hier ist ein Buch, das seit sieben Generationen von Meister zu Meister weitergereicht wurde. Ich habe auch einige Anmerkungen hinzugefügt, und du wirst dieses Buch nützlich finden. Hier, nimm es als Zeichen, dass du mein Nachfolger bist.“

Shoju antwortet: „Besser, das Buch bleibt bei Euch. Ich habe Eure Zen-Lehre ohne ein geschriebenes Wort erhalten und will das auch weiterhin so halten.“

„Ich weiß, ich weiß,“ erwidert Mu-nan, „aber immerhin hat dieses Buch sieben Generationen gedient und es kann auch dir hilfreich sein. Hier, behalt es bei dir.“

Während des Gesprächs stehen die beiden zufällig neben dem Feuerplatz. In dem Moment, in dem das Buch von Mu-nan die Hand von Shoju berührt, packt der es und schleudert es ins Feuer. Mu-nan, den man noch nie zuvor wütend gesehen hat, schreit: „Was machst du da für Blödsinn?“ Schreit Shoju zurück: „Was redet Ihr da für Blödsinn?“ – Er ist nicht versessen auf geschriebene Worte.

Der indische Jesuit Anthony de Mello, der diese Geschichte erzählt, kommentiert sie mit dem Satz: „Der Guru berichtet unmissverständlich von seinen eigenen Erfahrungen. Er zitiert keine Bücher.“ 1

Daran, dass ich mit einer Geschichte eines anderen und mit einem Zitat beginne, erkennt jeder von Euch – auch, wer mich nicht kennen sollte -, dass ich kein Guru bin, sondern einer, der etwas studiert hat. Ein Theologe. Im Folgenden wird es zwar öfters um meine Erfahrungen gehen, weil ich hoffe, dass sie sich mit den Euren überschneiden werden. Jedoch werden sie mit allerhand Zitaten verbrämt sein. Ich kann nicht anders, ich bin ein Kind der Mediengesellschaft.

Meine Erfahrung ist, dass die Medien unausweichlich sind. Wir wachsen mit Büchern, Skripten, Zeitschriften und Zeitungen auf. Wir leben mit Gedrucktem, Fotografiertem und Gefilmten in allen Formen. Wir bewegen uns surfend, suchend und mailend im Internet. Wir haben einen Facebook-Account, also sind wir.

Die evangelische Theologin Dorothee Sölle hat in dem Aufsatz „Atheistisch an Gott glauben“ schon im Jahr 1966, lange vor dem Internet, versucht, die Unausweichlichkeit der Medien grundsätzlich in ein gutes Licht zu stellen:

Vor kurzem fragte ich einen Schriftsteller, warum er morgens die Zeitung lese. Er antwortete, es sei etwas Ähnliches wie das Morgengebet für frühere Generationen: Man vergewissere sich über den Gesamtzusammenhang. Ich dachte darüber nach, ob dieser Gesamtzusammenhang ein anderes Wort für Gott sei – oder: ob Christus nicht auch, heute lebend, die Zeitung läse statt zu beten.2

Die Antwort des Schriftstellers „Zeitungslektüre als Vergewisserung über den Gesamtzusammenhang“ beschäftigt mich seit langem. Ihr zufolge würde der Zeitungsleser in seinem Tun zuallererst Beruhigung suchen. Das hat für mich zunächst plausibel geklungen. Zwar stellen uns Zeitungen vor allem vor Augen, was alles in der Welt nicht in Ordnung ist: Mord und Totschlag, Kriege und Katastrophen, politische und wirtschaftliche Krisen, Verkehrsunfälle und österreichische Fußball-Ergebnisse. Aber dadurch, dass die Zeitungen darüber berichten, vermitteln sie gleichzeitig den Eindruck, dass abgesehen davon alles in schönster Ordnung sei. Wenn irgendetwas nicht in Ordnung wäre, stünde es ja in der Zeitung. Insofern ist die Zeitung, und, man darf ruhig ergänzen, die politisch-wirtschaftliche und die chronikmäßige Berichterstattung in Medien überhaupt, ein Ordnungsfaktor – weil die Berichterstattung die Unordnung überschaubar macht.

2. Was an Medien reizt

Der Reiz des Medienkonsums erschöpft sich sicher nicht in der Vergewisserung über den Gesamtzusammenhang. Was uns zur Nutzung der Medien bringt, ist sehr grundsätzlich der Reiz fremder Geschichten. Geschichten hat man sich schon an den Lagerfeuern der Steinzeit erzählt. Geschichten füllen wesentliche Teile der Bibel und historischer Bibliotheken. Geschichten kommen in sämtlichen Hollywood-Filme und in unzähligen Internet-Blogs. Die Sölle-Überlegung, ob Jesus, heute lebend, die Zeitung läse statt zu beten, möchte ich fürs Erste zurückstellen.

Die Beantwortung der Frage ist jedenfalls davon abhängig, wie viel Geschichten-Interesse ich Jesus

zutraue – Anteilnahme an den Geschichten anderer Leute, die eben nicht seine Nächsten gewesen wären, sondern höchstens seine Übernächsten. Die Leute in den Medien sind selten unsere Nächsten.

Warum faszinieren uns Geschichten fremder Leute? Reale Geschichten aus unserem Land? Geschichten aus anderen Kulturen? Geschichten aus anderen Zeiten? Unter Umständen auch erfundene Geschichten wie Fantasy-Romane oder Krimis?

Zumindest was den Reiz der „tatsächlich geschehenen“ Geschichten angeht, hat im 19. Jahrhundert der Philosoph Friedrich Nietzsche heute noch bedenkenswerte Antworten gefunden.1874 hat er seine so genannte Zweite Unzeitgemäße Betrachtung herausgegeben mit dem Titel Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben.3 Ich versuche jetzt eine Nutzanwendung von Nietzsches Überlegungen auf das Medienzeitalter und komme zu


3. Vom Nutzen und Nachteil der Medien für das Leben

Der Begriff „Historie“ schillert bei Nietzsche zwischen den Bedeutungen „Geschichte“, „Geschichtsschreibung“ und „Geschichtswissenschaft“.Apropos Schillern: Nietzsche zitiert seinerseits gleich am Beginn seiner Abhandlung Goethe, der in einem Brief an Schiller schreibt: Übrigens ist mir alles verhasst, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.

Mit diesem Goethe-Geständnis als Opener gibt Nietzsche sofort zu erkennen, worauf er hinaus will:

Historische Bildung soll ein Lebens-Mittel sein, oder sie soll nicht sein. Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen.

Nietzsche stellt fest: Es gibt einen Grad, Historie zu treiben, und eine Schätzung derselben, bei der das Leben verkümmert und entartet. Unzeitgemäß nennt der Philosoph seine Betrachtung, weil er etwas, worauf die Zeit mit Recht stolz ist, ihre historische Bildung, hier einmal als Schaden (…) und Mangel der Zeit zu verstehen versucht, weil er sogar glaubt, dass wir alle an einem verzehrenden historischen Fieber leiden und mindestens erkennen sollten, dass wir daran leiden.

Er bekennt auch, als gelernter Philologe ganz besonders von jenen quälenden Empfindungen betroffen zu sein.

Die quälenden Empfindungen sind übrigens durchaus auch die meinen. Das ist der Grund, weshalb ich Nietzsche hier ausgiebig zu Wort kommen lasse. Ich bin zwar nicht wie er mit 25 Jahren Professor für Philologie geworden. Aber ich habe doch ziemlich riesige Mengen von im weitesten Sinn historischen Bildungsinhalten in mich aufgenommen. Als Gymnasiast ebenso wie als Theologiestudent. Und weil ich doch spüre, mich dabei auch mit viel unnützem Zeug belastet zu haben, schließe ich mich dem Wunsch Nietzsches an: Wenn wir nur dies gerade immer besser lernen, Historie zum Zwecke des Lebens zu treiben!

Nietzsche stellt fest:

Die Frage (…), bis zu welchem Grade das Leben den Dienst der Historie überhaupt brauche, ist eine der höchsten Fragen und Sorgen in betreff der Gesundheit eines Menschen, eines Volkes, einer Kultur. Denn bei einem gewissen Übermaß derselben zerbröckelt und entartet das Leben…

Obwohl ich jetzt mit Nietzsche das Übermaß an historischer Bildung problematisiere, mute ich Euch jetzt drei Spezialvokabeln zu, mit denen der Philosoph die Reize der Historie, also der Auseinandersetzung mit Geschichte, charakterisiert:. Ich bringe die drei Begriffe deshalb, weil ich die Reize der Historie im Wesentlichen identifiziere mit den Reizen, die uns dazu bringen, Medien zu gebrauchen.

In dreierlei Hinsicht , sagt Nietzsche, gehört die Historie dem Lebendigen: sie gehört ihm als dem Tätigen und Strebenden, ihm als dem Bewahrenden und Verehrenden, ihm als dem Leidenden und der Befreiung Bedürftigen. Dieser Dreiheit von Beziehungen entspricht eine Dreiheit von Arten der Historie: (…) eine monumentalische, eine antiquarische und eine kritische.

Monumentalisch ist eine Geschichtsauffassung dann, wenn sie sich an Personen und Taten orientiert, denen man Denkmäler – Monumente – setzt. Monumentalische Historie betrachtet demnach Eroberungskriege und Befreiungskriege, Entdeckungen und Erfindungen, alles, was in irgendeiner Weise aus dem Strom der Geschichte herausragt.

Monumentalische Historie ermutigt laut Nietzsche – und dem ausgezeichneten Wikipedia-Artikel4, dem ich jetzt folge -

den einzelnen Menschen der Gegenwart zu schöpferischen Taten: Individuen, die Großes schaffen wollen, sich aber nicht sicher sind, ob dieses überhaupt machbar sei, können ihren Blick in die Vergangenheit richten. Wenn sie dabei feststellen, dass Großes schon einmal möglich gewesen ist, so ist dies ein Indiz dafür, dass es auch in Zukunft wieder möglich sein wird. Diese Erkenntnis spendet Kraft und nimmt den Selbstzweifel, welcher schöpferischen Taten im Wege steht.

Allerdings stellt die monumentalische Historie die „Effecte“ in den Vordergrund und vernachlässigt die Ursachen. Zudem verzichtet diese Art der Historie auf volle Wahrhaftigkeit. Durch eine Reduzierung der geschichtlichen Vorgänge wird es möglich, Analogien zwischen speziellen – zeitlich auseinander liegenden – Ereignissen und Vorgängen zu ziehen. Auf diese Weise kann Napoleon sich fühlen wie Alexander der Große oder Julius Caesar, und jeder eroberungslüsterne Politiker kann sein Maß an Napoleon nehmen. Eine Gefahr der monumentalischen Historie ist es, in die Nähe der Fiktion und der Mythologie zu geraten.

In Fortführung der Nietzsche-Idee kann man sagen, dass auch Medien eine monumentalische Funktion zukommt: Medien ermutigen durch die Geschichten, die sie erzählen, zu großen Taten, seien diese schöpferisch oder zerstörerisch, konstruktiv oder destruktiv. Das Motiv, entsprechende Medien zu gebrauchen: Man will etwas tun und braucht einen Ansporn dazu.

Einige Beispiele:

Man liest die Biographie eines Missionars und fühlt sich veranlasst, selbst in die Mission bzw. Entwicklungshilfe zu gehen.

Man beschäftigt sich eingehend mit dem Leben und Werk berühmter Architekten und studiert selbst Architektur.

Man hat sich fanatisch-religiöses Schrifttum am laufenden Band reingezogen und begeht in vermeintlicher Märtyrergesinnung ein Selbstmordattentat.

Nun zur 2. Art von Historie nach Nietzsche:

Die antiquarische Historiegehört (…) dem Menschen als dem „Bewahrenden und Verehrenden“. Sie dient dazu, menschliche Kollektive der Gegenwart – Völker, Städte, Geschlechter – in eine Kontinuität zu ihrer Vergangenheit zu setzen. Sie verbreitet ein „einfaches rührendes Lust- und Zufriedenheitsgefühl“, indem sie „auch die minder begünstigten Geschlechter und Bevölkerungen an ihre Heimat und Heimatsitte anknüpft“. Sie gibt einem Menschen oder einem Volk „das Glück, sich nicht ganz willkürlich und zufällig zu wissen und […] in seiner Existenz entschuldigt, ja gerechtfertigt zu werden“.

Aber auch die antiquarische Historie hat eine Kehrseite: Da alles miteinander verwoben zu sein scheint, wird bei einem Übermaß an antiquarischer Betrachtung die gesamte Vergangenheit als wertvoll angesehen. Alles Vergangene gilt bereits als großartig, nur weil es einst existiert hat. Es findet eine Nivellierung statt, da alles wahrhaft Besondere zwischen der nur scheinbar wichtigen Masse von Historie nicht mehr sichtbar ist. Die antiquarische Historie droht daher einerseits zu einer „blinde[n] Sammelwuth“ zu entarten, andererseits alles Neue zu untergraben, nur noch zu „bewahren“ anstatt zu „zeugen“.

Antiquarische Historie betrachtet Geschichte gewissermaßen nach Art eines Heimatmuseums. Zur Paraphrase der Vokabel „antiquarisch“ können also die Begriffe „detailversessen, vergangenheitsverhaftet, sammelwütig, buchstabenhörig“ verwendet werden.

Auch Medien haben eine antiquarische Funktion, insofern sie Menschen bewahrende und verehrende Gefühle einpflanzen. Das Motiv, Medien mit antiquarischer Schlagseite zu gebrauchen: Man will eine große Vergangenheit, einen sicheren Boden, auf dem man sich bewegt oder steht, man will befriedigt zurückschauen und sich als Zwerg auf den Schultern von Riesen ausruhen. Die Kronen-Zeitung zum Beispiel macht unentwegt auf Österreich-Patriotismus und Vermittlung eines Wir-Gefühls nach dem Motto „Heimat, bist du großer Söhne“. Österreichische Wissenschaftler kommen zu Wort; österreichische Politiker garantieren die Sicherheit unserer Pensionen, unserer Stromversorgung und unserer Grenzen; unsere Wintersportler promoten Österreichs Image im Ausland. All diese Informationen lassen den Leser rein gar nichts tun – außer, sich auf dem Weg der Lektüre, des Medienkonsums, ein wohliges Lust- und Zufriedenheitsgefühl zu verschaffen.

Ein letzter Schwenk zu Nietzsche und zum Wikipedia-Artikel:

Die kritische Historiegehört schließlich dem Menschen als dem „Leidenden und der Befreiung Bedürftigen“. Laut Nietzsche überprüft sie die Erinnerungen eines Volkes auf zu stark belastende Inhalte, welche seine Entwicklung hemmen könnten, und beseitigt diese gegebenenfalls. Sie dient gewissermaßen als Korrektiv für die beiden anderen historischen Funktionen. Ihr einziges Kriterium ist, ob eine Vergangenheit der Vitalität eines Volkes dienlich ist oder nicht. Nietzsche denkt dabei an die beiden Pathologien der monumentalischen und antiquarischen Historie, also einerseits blindes Begehren von Effekten und andererseits übermäßige Vergangenheitsfixiertheit. Die Lebensfähigkeit menschlicher Gemeinschaften soll durch die kritische Historie erhalten werden, indem schädliche Erinnerungen vergessen werden.

Wiederum ist aber die kritische Historie nicht ungefährlich für den Menschen. Denn letztlich ist, so Nietzsche, nichts wert zu existieren: und „mit dem Messer an seine Wurzeln“ zu gehen ist immer ein gefährlicher Prozess, da „wir nun einmal die Resultate früherer Geschlechter“ und damit auch „ihrer Verirrungen, Leidenschaften und Irrthümer, ja Verbrechen“ sind. Es muss immer „eine Grenze im Verneinen“ geben, damit das Leben nicht in Gefahr gerät.

Im Anschluss an die Nietzsche-Idee von der kritischen Historie liegt die kritische Funktion der Medien auf der Hand. Medien entlarven mit ihren Geschichten Missstände und Änderungsbedürftiges in einer Gesellschaft. Sie decken Ungerechtigkeiten auf, bringen Licht ins Dunkel der Unwissenheit und des Aberglaubens. Die Medien fungieren als Aufklärungs-Maschine. Das Motiv, speziell kritische Medien zu gebrauchen: Man will sich nicht für dumm verkaufen lassen und auf der Höhe der Zeit sein. Ein klassisches österreichisches Beispiel dafür ist das Nachrichtenmagazin „profil“. Ein Problem für jene Menschen, die hauptsächlich solche Medien konsumieren, könnte sein, dass sich mit der Zeit Misstrauen, Unzufriedenheit und Zynismus als Grundhaltungen einprägen.

Oder?

Das wäre bereits zu diskutieren.

Die lebenspraktische Frage im Anschluss an Nietzsche lautet:

Wann und inwiefern sind die medienvermittelten Geschichten aus dem Leben anderer unserer Aufmerksamkeit wert?

Das ist jedenfalls meine Grundfrage in Bezug auf Medien.

Gegen Ende meines Referats möchte ich noch knapp dem Titel unseres heutigen Abends Rechnung tragen und ein Stück Götzenpolemik betreiben.

4. Medien machen Religion

Martin Luther hat in seinem Großen Katechismus zum ersten der Zehn Gebote, das er wiedergibt mit „Du sollst nicht andere Götter haben,“ folgenden berühmt gewordenen Satz formuliert:

„Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.” 5

Medien, die täglich unsere Aufmerksamkeit bekommen, haben für uns eine religiöse Dimension. Alles, was unsere Zeit und unsere Energie bekommt, hat eine religiöse Bedeutung. Wenn wir den Geschichten aus dem Leben anderer auf immer wiederkehrende, quasi ritualisierte Weise unsere Zeit schenken, sind sie Gegenstand unserer Religion. Daher ist die Frage „Wann und inwiefern sind die Geschichten aus dem Leben anderer unserer Aufmerksamkeit wert?“ auch eine religionskritische. Eine kritische Anfrage an unsere eigene religiöse oder quasi-religiöse Praxis.

Ein Prophet vom Schlage eines Jesaja würde uns Kindern des Medienzeitalters vermutlich vorwerfen, dass wir falschen Göttern nachliefen. Über das Volk Israel hat Jesaja geklagt: „Sein Land ist voll von Götzen. Alle beten das Werk ihrer Hände an, das ihre Finger gemacht haben.“ (Jes 2,8)

Was uns im Internet entgegenleuchtet, entgegenblinkt und entgegenflimmert, bindet zumindest unsere Aufmerksamkeit – und bei sehr vielen Menschen auch die finanziellen Ressourcen.

Schon bei den alttestamentlichen Propheten ist Götzendienst nie nur eine Privat-Angelegenheit des persönlichen Kult-Geschmacks, sozusagen beim Beten im stillen Kämmerlein. Die Propheten haben ihre Götzenpolemik immer im Zusammenhang mit harscher Kritik an sozialen Missständen gebracht. Die Götzendiener betreiben nicht nur unrechtmäßige Kulte. Sie sind auch korrupte Diebesbanden, die sich keinen Deut um die Rechte der sprichwörtlich gewordenen Witwen und Waisen kümmern. Sie schrecken vor Mord nicht zurück, wenn es um ihre Interessen geht (vgl. Jes 1,21-23). Immer geht der falsche Kult mit ungerechtem sozialen Verhalten einher. Im Extremfall fordern die falschen Götter Menschenopfer. Beim Propheten Jeremia (32,35) finden sich ebenso wie in den Gesetzestexten des Buches Levitikus (18,21; 20,2-5) scharfe Verurteilungen von Kinderopfern für den Gott Moloch. Es braucht nicht sehr viel Um-Interpretation dieser biblischen Texte, wenn man sie heute etwa auf die Produktion von Kinderpornographie anwendet.

Für heutige soziale Gepflogenheiten frage ich – auch mit Bezugnahme auf die das Medium Bibel oder besser, die Mediensammlung der kanonischen Schriften: Welche Medienkultur ist lebensfreundlich, und welche ist lebensfeindlich?

Ich meine, dass die Lebensfeindlichkeit eines übergroßen Hangs zum Medialen nicht erst in Extrembeispielen wie der Kinderpornographie spürbar wird. Um zwei weniger krasse Beispiele zu nennen: Erstens habe ich es bedauert, in Diskussionen mit einem Bekannten wiederholt erleben, dass seine politischen Ansichten offensichtlich eins zu eins aus der „Kronenzeitung“ stammten. Und zweitens habe ich es schon bei sehr vielen Messbesuchen bedauert, wenn der Priester bzw. Prediger oder die Predigerin als Auslegung des Evangeliums nichts anderes gebracht hat als die Baukasten-Sätze aus irgendwelchen Predigtbehelfen oder Bibelkommentaren.

5. Schluss: Medien als logische Konkurrenten der Kirchen

Würde Christus, heute lebend, die Zeitung lesen statt zu beten?

Ich glaube nicht. Mein diesbezüglicher Nicht-Glaube betrifft das Wort „statt“. Meiner Erfahrung nach ist Zeitungslektüre tendenziell ein Mittel zur Zerstreuung.

Beten aber soll sammeln, die Aufmerksamkeit bündeln. Das gilt meiner Meinung nach für ziemlich alle Formen des Gebets. Für das Sprechen von vorformulierten Gebeten wie für das freie mündliche Gebet, für die Meditation von Bibelstellen wie für wortlose christliche Kontemplation bzw. Meditation nach fernöstlichen Methoden.

In einem wesentlichen Punkt haben die Medien den Kirchen gegenüber allerdings einen Konkurrenzvorteil: Sie besitzen die Wort-Führerschaft. Insofern sie die Themen vorgeben und bestimmen, worüber gesprochen wird, haben sie einen wort-mäßigen Vorsprung – einen logischen Vorsprung, wenn man so will.

Im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit haben sie die Nase vorn. Da schauen die Kirchen recht alt aus. Die Medien keine sind keine Meditationsmittel. Sie sind keine Gebetshilfen und kein Gebetsersatz. Aber sie können unterhalten.

Da stellt sich wieder die Frage: Wie viel Unterhaltung brauchen wir, und welche?

Schon wieder eine Diskussionsfrage.

Damit wir dazu auch noch kommen, höre ich jetzt auf.

1Anthony de Mello, Warum der Vogel singt. Geschichten für das richtige Leben, Herder Freiburg – Basel – Wien 7. Auflage 1989, 33f.

2Dorothee Sölle, Atheistisch an Gott glauben. Beiträge zur Theologie, dtv München 3. Auflage 1994, 94.

3Friedrich Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen – Zweites Stück – Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, in: ders, Werke in drei Bänden, Band 1, Könemann Köln 1994, 153-244.

4http://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Nutzen_und_Nachteil_der_Historie_für_das_Leben

5http://www.ekd.de/bekenntnisse/luthers_grosser_katechismus.html

khj Bibel, Länderabend, Uncategorized, Wandern

KHJ Musiknacht

23. Dezember 2010

Am 26. November 2010 fand in der Galerie der Katholischen Hochschulgemeinde die KHJ - Musiknacht statt. Nachdem um 19:00 der Startschuss ertönte, wurden in drei Blöcken mit jeweils einer Stunde die Musikepochen Barock, Wiener Klassik und Romantik behandelt. Zwischen diesen Blöcken sorgten Robert Kaspar und Hannes Watzinger für eine kulinarische Untermalung mit Käse, Wein und Kuchen. Während des gesamten Abends stand jedoch nicht die Theorie der Musikgeschichte im Vordergrund, sondern die praktizierte Musik. Zur jeder Epoche wurden Musikbeispiele live oder von der CD dargebracht, sodass den Zuhörern und Zuhörerinnen ein Eindruck der besprochenen Musikepoche vermittelt werden konnte. Musikbeispiele von Kerstin Oppelt, Markus Schlagnitweit, Robert Kaspar, Irene Ecker und Johannes Kilian sorgten für Abwechslung während des gesamten Abends.

Im ersten Block stand das Zeitalter des Barocks im Vordergrund. Neben den beiden großen Komponisten J. S. Bach und G. F. Händel wurden Corelli, Vivaldi und Monteverdi vorgestellt und mit Musikbeispielen untermalt. Bei diesen unterschiedlichen Komponisten konnte der Verlauf der Musikströmung deutlich dargestellt und mit Musikbeispielen gehört werden. Während G. F. Händel versuchte die Strömungen des Barocks weiterzuentwickeln, machte Bach einen Schritt zurück und komponierte sehr konventionell, was mit Hilfe der Kunst der Fuge gezeigt werden konnte.

Im zweiten Block stand die Wiener Klassik im Vordergrund. Die drei Komponisten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven waren im Zentrum der Betrachtungen. So wurde versucht auf jeden der Komponisten einzugehen, Musikbeispiele zu bringen und sein Schaffen in einen historischen Kontext zu stellen. Sowohl die Verbindungen von Mozart zu Maria Theresia oder von Beethoven zu Napoleon Bonaparte, als auch der Übergang zur Romantik an Hand von Franz Schubert wurden aufgezeigt und mit Musikbeispielen unterlegt.

Der dritte und leider letzte Teil der KHJ – Musiknacht war nach einer kulinarischen Pause der Romantik gewidmet. Dieser Abschnitt wurde in zwei Teile geteilt: einerseits in die Einteilung der Romantik im Laufe der Zeit und andererseits in die Auseinandersetzungen der Komponisten während der Spät- und Hochromantik. Die Auseinandersetzungen zwischen Brahms und Wagner inkl. deren Anhängern bildeten wesentliche Bestandteile der musikgeschichtlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert. Auf Grund der vielen Komponisten und die Vielzahl möglicher Musikbeispiele, wurden hier die unterschiedlichen Komponisten gestreift und konnten so nur sehr knapp behandelt werden. Dabei wurde jedoch versucht nicht über die einzelnen Punkte zu eilen, sondern Lust auf MEHR zu machen.

Nachdem um kurz nach 23:00 der letzte Ton Musik erklang, war nicht nur der Vortragende, Johannes Kilian, froh, dass diese Veranstaltung beim fast 25 köpfigen Publikum so gut ankam, sondern auch überrascht, dass sofort nach Ende dieser KHJ Musiknacht nach einer Fortsetzung dieser Veranstaltung verlangt wurde. Diesem Wunsch werde ich in den kommenden Semestern gerne nachkommen und freue mich schon auf viele weitere nette Musikabende in der KHG.

Johannes Kilian

P.S.: Bei Interesse an den ausführlichen Unterlagen zur Veranstaltung bitte ich mir ein Mail johannes.kilian@khg.jku.at zu schicken

johannes KHJ

Zivilcourageveranstaltung im Parlament

24. November 2010

Am 2. November fand in Wien im Parlament eine Veranstaltung des KAVÖ zum Thema Zivilcourage statt. Die KHJ war gut vertreten im Publikum und es war ein sehr spannender und lehrreicher Tag.


Fünf Pflichtgegenstände

Christian Felber, hat bei der Tagung  „Zivilcourage“ der Katholischen Aktion im Parlament die politische Dimension von Zivilgesellschaft und Zivilcourage in seinem Statement aufgearbeitet. Er schließt seine Ausführungen mit dem Vorschlag, fünf  Pflichtfächer in der Bildung aufzunehmen:

  1. Gefühlskunde: Was sagt mir mein Herz?
  2. Wertekunde: Was ist uns wichtig?
  3. Kommunkationskunde: Zuhören und sich ausdrücken lernen.
  4. Demokratiekunde: Entwicklung eines Souverenitätsbewußtseins.
  5. Naturerfahrenskunde: Was können wir von der Natur abschauen?

Ein Satz, den sich jeder zuhause auf ein Plakat schreiben kann:

„Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit.“
Grund genug, sich einzumischen und die Stimme zu erheben.

Dies gilt vor allem für die Politik, denn es regiert nicht die Regierung sondern das Volk. Die von uns gewählten Vertreter sollten das tun was wir wollen und nicht was ihnen am meisten Geld und Macht einbringt. Insofern ist auch die Frage legitim: Warum wird so wenig demonstriert in Österreich? Herr Felber hat dazu einige Beispiele für Entscheidungen gebracht, die sicher nicht von der Mehrheit des Volkes unterstützt worden sind.


Eine Betrachtung aus biologischer Sicht

Es kam im Laufe der Vorträge öfters das Thema Ausländer und Migration ins Gespräch und Prof. Markus Hengstschläger hat klargestellt: „Migration ist überlebensnotwendig und Teil der Evolution. Das Grundprinzip der Individualität und Flexibilität ist das einzige Konzept, um in veränderten Umwelten überleben zu können.“ Man kann nicht festlegen, welche Faktoren in der biologischen Weitergabe das Überleben sichern, aber Verschiedenheit sichert die Chance des Überlebens. Damit gibt er aus biologischen Gründen allen Systemen, die einen Zaun rund um ein Biotop errichten wollen, eine geringere Lebenschance als offenen und auf Diversität bauenden Gemeinwesen.


Der schwarze Birkenspanner hat überlebt

Hengstschläger hat auf humorvolle Weise eindringlich dargelegt, welchen Vorteil die Individualität hat. Der Birkenspanner (Schmetterling) hat normalerweise ein Aussehen wie die Rinde des Birkenbaumes. Das sichert ihm das Überleben, weil er von den Vögeln nicht gesehen wird. Es gibt aber auch schwarze Birkenspanner.  Im Ruhrgebiet ist die Rinde der Birken normalerweise schwarz vom Ruß und Schmutz. Dort hat der „normale Birkenspanner“ keine Chance und nur der schwarze Schmetterling hat sich binnen weniger Jahre durchgesetzt und überlebt. „Das war schon immer so“ und „wir sind aber viele“ ist daher kein Argument, will man in der Evolution überleben. Eine große Verschiedenheit ist die einzige Überlebenschance, nicht für sich selber sondern für die eigene Art. Nicht Gleichmacherei, sondern Individualität sichert eine Zukunft für die eigene Spezies. Eine Zukunft die wir nicht kennen können. Hengstschläger sieht als einziges Zukunftskonzept: „Individualität – Migration und Durchmischung – Teamarbeit.“

David Schellander

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Praxistag des Projektes Zivilcourage am 5.11.2010

19. November 2010

Bei der Begrüßung durch Magda Krön (KAVÖ-Präsidentin) und Thomas Würthinger (KHJÖ Vorsitzender) wurde das “Manifest zur Zivilcourage” das erstmals am 2.11.2010 im Parlament bei der Startveranstaltung des Projektes verlesen wurde, nochmals thematisiert.

Thomas Würthinger hat bei der Begrüßung auch Franz Jägerstätter erwähnt, der ein besonderes Zeichen zur Zivilcourage gesetzt hat, und der ja wegen der Umbenennung des Linzer KHG-Heimes in Studierendenheim Franz Jägerstätter im letzten Jahr besonderes Thema der KHJ-Linz war.

Danach gab es zwei Sessions mit Workshops, bei denen man sich leider jeweils zwischen drei recht interessanten Themen entscheiden musste…

Ich habe beim Forumtheater mit Lisa Kolb-Mzalouet mitgemacht, es ging zunächst um die Darstellung von Problemsituationen aus dem Alltag durch Standbilder, dann wurde eine Szene kurz angespielt, das Publikum konnte Vorschläge für die Lösung des Konflikts machen.

Danach habe ich mich für das Gespräch “Wie die Fremde Heimat wird” mit Tarafa Baghatjhati entschieden. Er wurde 1961 in Syrien geboren wurde, seine Matura legte er in Damaskus ab. Anschließend hat er ein Bauingenieur-Studium in Temesvar (Rumänien) absolviert und dann Deutsch an der Universität Wien studiert. Er ist Gründungsmitglied der „Initiative österreichischer MuslimInnen“ und Vizepräsident des „European Network against Racism“. Es wurde über seine Lebensgeschichte gesprochen und er berichtete von seinen Erfahrungen als Ausländer in Österreich. Ein wichtiger Punkt des Gespräches war sein Eindruck, den er auch durch seine ehrenamtliche Arbeit gewonnen hat, dass die Situation für Migranten in Österreich in den letzten Jahren eher noch schwieriger geworden ist und er es in manchen Situationen, zum Beispiel in Bezug auf Behörden und Ämter, noch leichter hatte, als er es heute einschätzt und erlebt. Moderiert wurde das Gespräch von Peter Pawlowsky, dem KAVÖ-Vizepräsidenten.

Nach einem gemeinsamen Imbiss folgte ein Vortrag von Ottmar Fuchs, der als Theologe an der Universität Tübingen arbeitet, mit dem Titel: „Zivilcourage im Konflikt. Christliche Ressourcen gegen die Resignation“ in dem die Notwendigkeit und der Mut zur Zivilcourage auf ein theologisches Fundament gestellt wurde.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein “Politisches Nachtgebet” mit Musik und Texten von Huub Oosterhuis, die von Peter Pavlowsky ins Deutsche übertragen wurden.

Es wird eine Sondernummer der “QUART” erscheinen in der über das Projekt berichtet wird, ich kann es interessierten Zeitgenossen nur empfehlen, der Praxistag jedenfalls war sehr informativ und kurzweilig.

Link zum Manifest der Zivicourage: manifest_zivilcourage

johannes KHJ