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Archiv für April, 2010

Stellungnahme der KHJ Salzburg zur Austrittsaufforderung der ÖH Salzburg aus der Katholischen Kirche

30. April 2010

In den letzten Wochen und Monaten ist eine Reihe von Missbrauchsfällen innerhalb der Katholischen Kirche bekannt geworden. Wie die Kirche bei Bekanntwerden von Missbrauch in der Vergangenheit reagiert hat, war meistens nicht richtig und Transparenz war kaum gegeben. Mit der neuen Untersuchungskommission unter der Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic werden diese Fälle aufgearbeitet und den Opfern wird die notwendige und lang erwartete Unterstützung zu Teil werden. VfGH-Vizepräsidentin Bierlein, welche der Kommission angehört, betonte: „Nichts wird unter den Teppich gekehrt.”

Die Missbräuche unterschiedlicher Art sind allesamt zu verurteilen! Unter den Folgen leiden die Opfer in vielen Fällen noch ihr Leben lang. Ihnen muss die notwendige und schuldige Hilfe zu Teil werden. Die Katholische Kirche steht in der Verantwortung.

Es ist aber festzuhalten, dass 99,7 Prozent der pädophilen Täter nichtkirchlich sind. Der ebenfalls der Kommission angehörende Gerichtspsychiater Reinhard Haller betonte in einem Interview mit dem ORF Vorarlberg: Bei sexuellem Missbrauch sind nur 0,3 Prozent der Täter in der Kirche zu finden. Die meisten Missbrauchsfälle würden in Familien oder in geschlossenen Systemen, wie zum Beispiel in Vereinen, passieren. „Dies wird in der derzeitigen Situation nur wenig beachtet“, sagte Haller.

Jeder einzelne Missbrauch ist einer zu viel! Nicht nur in der Kirche, sondern in der  Struktur unserer gesamten Gesellschaft sind die nötigen Maßnahmen zu setzen, um den Missbrauch an unseren Kindern und Jugendlichen effektiv zu bekämpfen. Es ist verständlich, dass die Missbrauchsfälle in der Kirche mehr Entsetzen in der Öffentlichkeit hervorrufen als andere, da die hohen an sich selbst gestellten Moralvorstellungen verletzt wurden. 

Die ÖH nimmt des Weiteren auf historische Verfehlungen der Katholischen Kirche Bezug. Es ist richtig, dass die Kirche in ihrer Geschichte nicht frei von Schuld ist, und Schuld auch im 20. Jahrhundert auf sich genommen hat. Allerdings ist die Position der ÖH einseitig, undifferenziert und überzogen. Sie vergisst beispielsweise ganz auf die vielen Priester, Ordensleute und andere im Dienst der Kirche stehenden Personen, die aktiv gegen Unrechtsregime gekämpft haben und auch immer noch kämpfen. Auch die Kirche selbst hat immer wieder Stellung gegen menschenverachtende politische Systeme bezogen, damals wie heute. Man denke nur an den Kampf der Kirche gegen die Unrechtsregime im kommunistischen Ostblock, wo auch in vielen Fällen die Kraft des Evangeliums den Menschen Halt und Trost gegeben hat. Die Vorgehensweise der ÖH die gesamte Weltkirche kollektiv zu verurteilen ist falsch und unbegründet. 

Natürlich schränken Austritte die finanziellen Handlungsmöglichkeiten der Kirche ein, wobei aber Studentinnen und Studenten von diesem Beitrag befreit sind. Die ÖH hat auch nicht an die Konsequenzen gedacht. Viel Geld der Kirche wird in soziale Projekte investiert. Auch die Caritas finanziert sich zu Teilen aus Finanzmitteln der Kirche. Mit schwindender Finanzkraft würden daher in erster Linie die Menschen leiden, die durch dieses Geld Hilfe bekommen. Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise wird der Staat diesen Wegfall an sozialer Unterstützung nicht vollständig auffangen können! 

Mit dem Aufruf zum Kirchenaustritt – „Die Konsequenzen ziehen – Kirchenaustritt!“ überschreitet die ÖH ihre Kompetenzen. Es kann nicht sein, dass die offizielle Vertretung von allen Studierenden zum Austritt aus einer Glaubensgemeinschaft aufruft! In Österreich herrscht Religionsfreiheit. Keine der Glaubensgemeinschaften, oder sonstige Organisationen, hat das Recht zum Austritt bei der jeweils anderen aufzufordern. Die Entscheidung über einen Austritt muss das alleinige Recht des mündigen Menschen bleiben! 

Die KHJ Salzburg hofft, dass die ÖH ihre Position noch einmal überdenken wird! Die Kirche muss aus den Fehlern der Vergangenheit die Konsequenzen ziehen, aber man darf nicht die vielen in der Kirche engagierten Menschen vergessen, die durch die Kraft ihres christlichen Glaubens bestärkt, täglich für das Wohl der Menschen arbeiten und das Evangelium verkünden!

Gesellschaftspolitik